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Use Case Management: Wie BIM-Anwendungsfälle verständlich und umsetzbar werden

Normung & Standards

Einordnung von Use-Case-Management im BIM-Kontext

Building Information Modeling (BIM) entfaltet seinen praktischen Nutzen erst dann, wenn eindeutig festgelegt ist, wofür digitale Modelle verwendet werden sollen und welche Informationen zu welchem Zeitpunkt benötigt werden. In vielen Projekten bleibt BIM jedoch auf einer allgemeinen Beschreibungsebene, ohne konkrete Anwendungsfälle verbindlich zu definieren.

Hier setzt das Use-Case-Management im Umfeld von buildingSMART an. Es dient als strukturierter Rahmen, um BIM-Anwendungsfälle (wie BIM Deutschland, buildingSMART, BIM4Infra, etc.) eindeutig zu beschreiben, vergleichbar zu machen und wiederholbar anzuwenden. Gleichzeitig ermöglicht es, Erfahrungen aus realen Projekten systematisch zu dokumentieren – über den gesamten Lebenszyklus von Planung, Bau und Betrieb bis hin zu Umbau oder Rückbau.

UCM einfach klärt

Der Use Case Management Service (UCM) von buildingSMART stellt in Form eines Kochbuches für Rezepte (BIM-Anwendungsfälle) bereit und unterstützt deren strukturierte Erfassung und Wiederverwendung. Zentrale Grundlage ist das Anwendungsfall, IDM oder Fallstudie, mit dem Informationsaustauschanforderungen und Prozessen definiert und standardisiert werden. Diese Austasuchanforderungen in diesem Fall "die Zutaten" werden durch IDS (Information Delivery Specification) konkretisiert, die festlegen, welche Informationen, Klassen und Merkmale benötigt werden, wobei die semantische Eindeutigkeit über das bSDD (buildingSMART Daat Dictionary) sichergestellt wird. Dadurch können IFC-Modelle gezielt validiert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden, sodass nicht das gesamte Modell, sondern nur die für den jeweiligen Zweck relevanten Informationen genutzt werden. Quelle: Mirbek Neumann, 2020.

Abb.1 - UCM (aka Kochbuch) in einfacher Sprache | Bildnachweis – Mirbek Neumann

Was ein Use Case beschreibt

Ein Use Case steht für einen konkret abgegrenzten Anwendungsfall mit definiertem Ziel. Er beschreibt,

  • wer Informationen nutzt,
  • zu welchem Zeitpunkt,
  • in welchem Format und
  • zu welchem Ergebnis.

Damit wird BIM von einer allgemeinen Arbeitsmethode in konkrete Arbeitsprozesse übersetzt. Im Mittelpunkt steht der Informationsbedarf, nicht das Modell selbst. Zusätzlich werden Zielzustand, Randbedingungen und Erfolgskriterien beschrieben.

 

Gemeinsame Struktur

Ein wesentlicher Effekt eines strukturierten Use-Case-Ansatzes liegt in einer einheitlichen Beschreibungssystematik. Ziele, Rollen, Informationsanforderungen und Austauschformate werden nach einem gemeinsamen Schema dokumentiert. Dadurch können Anwendungsfälle projekt- und organisationsübergreifend eingeordnet und miteinander verglichen werden.

 

Maschinenlesbare Anforderungen

Ein praktischer Aspekt ist die Möglichkeit, Anforderungen maschineninterpretierbar zu formulieren. Austausch- und Informationsanforderungen können so erstellt werden, dass sie automatisiert geprüft werden können, beispielsweise in digitalen Prüf- oder Qualitätssicherungsprozessen. Grundlage sind offene Austauschformate, insbesondere IFC-Modelle in Verbindung mit IDS.

 

Methodischer Rahmen

Die Struktur orientiert sich an der Methodik des Information Delivery Specification (IDS).
Ein Use Case beschreibt dabei:

  • Geschäftsbedarf
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Informationsflüsse
  • Erfolgskriterien

Darauf aufbauend werden Informationsaustauschanforderungen definiert und in IDS überführt. Diese Vorgehensweise steht im Zusammenhang mit internationalen Normen wie ISO 29481 und ISO 19650.

 

Bedeutung für Auftraggeber

Für Auftraggeber ermöglicht dieser Ansatz, Informationsanforderungen präziser zu formulieren und in Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) sowie vertragliche Regelungen zu überführen. Anforderungen können dadurch projektbezogen beschrieben und überprüfbar gemacht werden.

 

Bedeutung für Planung und Ausführung

Auch für Planer und ausführende Unternehmen entstehen klarere Rahmenbedingungen. Aufgaben, Schnittstellen und Zuständigkeiten werden expliziter beschrieben, wodurch Interpretationsspielräume reduziert werden. Digitale Prozesse können damit gezielter auf konkrete Arbeitsschritte bezogen werden.

 

Wiederverwendbarkeit

Ein dokumentierter Anwendungsfall kann in anderen Projekten angepasst wiederverwendet werden. Dadurch entsteht Vergleichbarkeit zwischen Projekten sowie eine strukturierte Weiterentwicklung von Arbeitsweisen über einzelne Organisationen hinaus.

 

Einordnung

Mit der zunehmenden Anwendung von BIM steigt der Bedarf nach überprüfbaren und eindeutig beschriebenen Prozessen. Use-Case-Management stellt in diesem Zusammenhang einen methodischen Ansatz dar, um strategische Zielsetzungen in konkrete Projektabläufe zu überführen und Anforderungen nachvollziehbar zu formulieren.

Erarbeitete Use Cases finden Sie auch der Seite von buildingSMART International.

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