Was ein Use Case beschreibt
Ein Use Case steht für einen konkret abgegrenzten Anwendungsfall mit definiertem Ziel. Er beschreibt,
- wer Informationen nutzt,
- zu welchem Zeitpunkt,
- in welchem Format und
- zu welchem Ergebnis.
Damit wird BIM von einer allgemeinen Arbeitsmethode in konkrete Arbeitsprozesse übersetzt. Im Mittelpunkt steht der Informationsbedarf, nicht das Modell selbst. Zusätzlich werden Zielzustand, Randbedingungen und Erfolgskriterien beschrieben.
Gemeinsame Struktur
Ein wesentlicher Effekt eines strukturierten Use-Case-Ansatzes liegt in einer einheitlichen Beschreibungssystematik. Ziele, Rollen, Informationsanforderungen und Austauschformate werden nach einem gemeinsamen Schema dokumentiert. Dadurch können Anwendungsfälle projekt- und organisationsübergreifend eingeordnet und miteinander verglichen werden.
Maschinenlesbare Anforderungen
Ein praktischer Aspekt ist die Möglichkeit, Anforderungen maschineninterpretierbar zu formulieren. Austausch- und Informationsanforderungen können so erstellt werden, dass sie automatisiert geprüft werden können, beispielsweise in digitalen Prüf- oder Qualitätssicherungsprozessen. Grundlage sind offene Austauschformate, insbesondere IFC-Modelle in Verbindung mit IDS.
Methodischer Rahmen
Die Struktur orientiert sich an der Methodik des Information Delivery Specification (IDS).
Ein Use Case beschreibt dabei:
- Geschäftsbedarf
- Rollen und Verantwortlichkeiten
- Informationsflüsse
- Erfolgskriterien
Darauf aufbauend werden Informationsaustauschanforderungen definiert und in IDS überführt. Diese Vorgehensweise steht im Zusammenhang mit internationalen Normen wie ISO 29481 und ISO 19650.
Bedeutung für Auftraggeber
Für Auftraggeber ermöglicht dieser Ansatz, Informationsanforderungen präziser zu formulieren und in Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) sowie vertragliche Regelungen zu überführen. Anforderungen können dadurch projektbezogen beschrieben und überprüfbar gemacht werden.
Bedeutung für Planung und Ausführung
Auch für Planer und ausführende Unternehmen entstehen klarere Rahmenbedingungen. Aufgaben, Schnittstellen und Zuständigkeiten werden expliziter beschrieben, wodurch Interpretationsspielräume reduziert werden. Digitale Prozesse können damit gezielter auf konkrete Arbeitsschritte bezogen werden.
Wiederverwendbarkeit
Ein dokumentierter Anwendungsfall kann in anderen Projekten angepasst wiederverwendet werden. Dadurch entsteht Vergleichbarkeit zwischen Projekten sowie eine strukturierte Weiterentwicklung von Arbeitsweisen über einzelne Organisationen hinaus.
Einordnung
Mit der zunehmenden Anwendung von BIM steigt der Bedarf nach überprüfbaren und eindeutig beschriebenen Prozessen. Use-Case-Management stellt in diesem Zusammenhang einen methodischen Ansatz dar, um strategische Zielsetzungen in konkrete Projektabläufe zu überführen und Anforderungen nachvollziehbar zu formulieren.
Erarbeitete Use Cases finden Sie auch der Seite von buildingSMART International.