Der Standard IFC 4.3 markiert einen Wendepunkt in der digitalen Planung und Bewirtschaftung von Bauwerken. Er erweitert den IFC-Standard konsequent vom klassischen Hochbau auf die Verkehrsinfrastruktur. Straßen, Schienen, Brücken sowie Seehäfen und Wasserstraßen werden erstmals systematisch und gleichwertig abgebildet. Damit entsteht eine gemeinsame, offene Sprache für Bauwerke, die bisher stark fragmentiert modelliert wurden.
Was IFC 4.3 auszeichnet
IFC steht für Industry Foundation Classes und beschreibt ein herstellerneutrales Datenmodell für Bauwerksinformationen über den gesamten Lebenszyklus. Mit IFC 4.3 wird dieses Prinzip auf Infrastruktur übertragen. Der Standard bildet Fachlogik, Geometrie und Lageinformationen so ab, dass sie softwareübergreifend nutzbar bleiben.
Der entscheidende Schritt liegt in der strukturellen Verankerung von Infrastruktur im Kernmodell. Straßen- und Schienenkörper, Achsen, Gradienten, Querschnitte und Bauwerke entlang linearer Trassen (IfcAlignment – Seite auf englisch) sind eigenständige Bestandteile des Modells. Diese Objekte folgen einer klaren Logik und sind maschinenlesbar definiert.
Technische Weiterentwicklung gegenüber früheren IFC-Versionen
IFC 4.3 bringt eine klare fachliche Ordnung in ein Themenfeld, das lange mit projektspezifischen Sonderlösungen gearbeitet hat. Infrastruktur wird über eigene Domänen modelliert. Lineare Referenzierung bildet Achsbezug, Stationierung und Lage präzise ab. Geometrie, Topologie und Semantik sind sauber voneinander getrennt.
Diese Struktur erleichtert Auswertungen, Prüfungen und Weiterverarbeitung. Modelle lassen sich konsistent aufbauen und über Projektgrenzen hinweg nutzen. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Grundlage für Betrieb, Erhaltung und Weiterentwicklung von Bauwerken.
Es wurden weitere Klassen, Typausprägungen und Merkmalssätze mit relevanten Merkmalen ergänzt. Dadurch kann das IFC-Schema Bauwerke besser und detaillierter beschreiben und abbilden.
Entwicklung und Normung
Die Entwicklung von IFC 4.3 folgte einem klaren Prinzip: Praxis vor Theorie. Der Standard entstand aus konkreten Anwendungsfällen der Infrastrukturplanung und -bewirtschaftung. Öffentliche Auftraggeber, Infrastrukturbetreiber, Ingenieurbüros und Softwarehersteller arbeiteten gemeinsam an einer tragfähigen Modellstruktur.
Die Entwicklung wurde durch buildingSMART International koordinieret. Nationale Organisationen wie buildingSMART Deutschland e. V. wirkten über Experten in internationalen Arbeitsgruppen mit. Öffentliche Auftraggeber, Infrastrukturbetreiber, Ingenieurbüros und Softwarehersteller brachten praxisnahe Anforderungen ein. Die formale Normung erfolgte über DIN EN ISO 16739-1 (veröffentlicht 2024).
IFC 4.3 ist international normiert und wird in Deutschland im Zusammenspiel bestehender BIM-Normen, Richtlinien und Leitfäden in einem klaren Anwendungsrahmen eingebettet, damit besitzt der Standard internationalen Normstatus und kann in Ausschreibungen und Verträgen referenziert werden.
BIM-Portal des Bundes
Am 11.04.2025 wurde das BIM-Portal mit dem Release 3.4.3 um neue Funktionen erweitert. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören die Unterstützung des Information Delivery Specification-Formats (IDS), die Einführung von IFC 4.3 (Industry Foundation Classes) als Datenformat und Verbesserungen beim Level of Information Need-Export (LOIN). Zudem wird eine hierarchische Darstellung von Merkmalen eingeführt und die Verknüpfung von externen Datenkatalogen optimiert.
Mit IFC 4.3 wird das Mapping von Merkmalen auf abstrakte IFC-Klassen vereinfacht, was zu einer verbesserten Handhabung von Bauteilinformationen führt. Dies erleichtert den Austausch und die Integration von Daten in verschiedenen BIM-Prozessen und trägt so zur Optimierung der Planungs- und Bauprozesse bei.
Bedeutung für Planung, Bau und Betrieb
IFC 4.3 schafft eine einheitliche Datenbasis für Infrastrukturprojekte. Öffentliche Auftraggeber erhalten konsistente und vergleichbare IFC-Modelle, die sich langfristig nutzen lassen. Planungs- und Ingenieurbüros arbeiten mit klar definierten Objektstrukturen und reduzieren projektspezifische Sonderdefinitionen. Softwarehersteller orientieren sich an einem verbindlichen Referenzrahmen, der Interoperabilität in den Mittelpunkt stellt.
Der Standard unterstützt damit den Übergang von modellbasierter Planung zu datenbasierter Steuerung über den gesamten Lebenszyklus. Digitale Zwillinge im Infrastrukturbereich erhalten eine belastbare Grundlage.



