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EU-Aktionsplan für bezahlbaren Wohnraum – Digitalisierung von Planung und Genehmigung rückt in den Mittelpunkt

Aus der BIM Welt

Newsletter Ausgabe 02/2026

Am 16. Dezember 2025 hat die Europäische Kommission erstmals einen europaweiten Aktionsplan für bezahlbaren Wohnraum vorgestellt. Hintergrund sind stark steigende Wohnkosten in vielen Mitgliedstaaten. Seit 2013 sind Immobilienpreise EU-weit um mehr als 60 Prozent gestiegen, während die Neubautätigkeit zurückgeht. Die Kommission bewertet den Wohnungsmarkt deshalb nicht nur als soziale Herausforderung, sondern zunehmend auch als strukturelles Problem der Bau- und Verwaltungsprozesse.

Obwohl Wohnungspolitik weiterhin nationale Aufgabe bleibt, übernimmt die Europäische Union (EU) erstmals eine koordinierende Rolle. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehr und schnelleres Bauen ermöglichen.

 

Wohnraummangel als Prozessproblem

Neben Baukosten, Zinsen und Flächenknappheit nennt die Kommission insbesondere lange Planungs- und Genehmigungsverfahren als zentralen Engpass. Viele Projekte verzögern sich nicht in der Bauausführung, sondern in Planung, Abstimmung und Genehmigung. Die EU verknüpft daher die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ausdrücklich mit der Modernisierung administrativer Abläufe im Bauwesen.

Der Aktionsplan adressiert neben dem Wohnungsbau selbst, die Effizienz des gesamten Bauprozesses.

 

Digitalisierung als Hebel

Ein zentrales Handlungsfeld ist die Digitalisierung der Planungs- und Bauprozesse. Die Kommission sieht digitale Methoden als Voraussetzung, um Bauvorhaben skalierbar umzusetzen und Genehmigungen zu beschleunigen. Dazu zählen insbesondere:

  • digitale Planungs- und Abstimmungsverfahren
  • strukturierte Bauwerksinformationen
  • modellbasierte Zusammenarbeit
  • digitale und teilautomatisierte Genehmigungsprozesse

Der Plan stellt damit klar, dass die Beschleunigung von Bauvorhaben nicht allein durch zusätzliche Förderprogramme erreicht werden kann, sondern wesentlich von der Leistungsfähigkeit der Verwaltungs- und Prüfprozesse abhängt.

 

Digitale Baugenehmigung

Besondere Bedeutung misst die Kommission der Modernisierung von Genehmigungsverfahren bei. Behörden sollen stärker digitale Unterlagen nutzen und Prüfprozesse standardisieren. Ziel ist es, wiederkehrende Prüfungen zu strukturieren und teilweise maschinell auswertbar zu machen.

Die EU verbindet dies mit der Harmonisierung technischer Anforderungen und Datenstrukturen. Einheitlich strukturierte Bauwerksinformationen sollen eine Voraussetzung dafür sein, Bauanträge effizienter prüfen und Abstimmungen zwischen Behörden vereinfachen zu können.

Damit rückt die Genehmigung selbst in den Fokus der Bauproduktivität: Nicht nur Bauverfahren, sondern auch Verwaltungsverfahren gelten als entscheidend für Bauzeiten und Kosten.

Die Initiative BIM Deutschland befasst sich ebenfalls mit den aktuellen Entwicklungen zum modellbasierten Bauantragswesens. In der Veranstaltung vom 6. Oktober 2025 gab es Einblicke in innovative Ansätze zur Weiterentwicklung der „Einer für Alle (EfA)“-Lösung des Digitalen Bauantrags.

 

Serielle Bauweisen und Standardisierung

Parallel dazu fördert der Aktionsplan industrielle und serielle Bauweisen. Vorgefertigte Bauformen lassen sich jedoch nur dann skalieren, wenn Planungs- und Prüfprozesse standardisiert sind. Die Kommission verknüpft deshalb Vorfertigung, Standardisierung und Digitalisierung ausdrücklich miteinander.

Digitale Modelle und strukturierte Informationen werden dabei als Grundlage gesehen, wiederholbare Planungen zu ermöglichen, Varianten schneller zu prüfen und Genehmigungen zu beschleunigen.

 

Finanzierung und Umsetzung

Der jährliche Investitionsbedarf wird auf rund 150 Milliarden Euro geschätzt. Neben InvestEU und der Europäischen Investitionsbank soll eine europäische Investitionsplattform öffentliche und private Mittel bündeln. Gleichzeitig sollen regulatorische Anpassungen und Datenerhebungen zu Leerstand und Kurzzeitvermietung erfolgen.

Zur Umsetzung wird eine europäische Wohnraum-Allianz eingerichtet, die Mitgliedstaaten, Städte, Wohnungswirtschaft und Verbände zusammenbringt. Für 2026 ist zudem ein europäischer Wohnungsgipfel angekündigt.

 

Einordnung

Der Aktionsplan markiert einen Perspektivwechsel. Die EU behandelt Wohnungsbau nicht mehr ausschließlich als Förder- oder Sozialpolitik, sondern zunehmend als Frage effizienter Bau- und Verwaltungsprozesse. Digitalisierung von Planung und Genehmigung wird dabei als wesentlicher Faktor für Baugeschwindigkeit, Kostenentwicklung und Skalierbarkeit gesehen.

Für öffentliche Auftraggeber und Verwaltungen rücken damit strukturierte Bauwerksinformationen, standardisierte Austauschprozesse und modellbasierte Prüfverfahren stärker in den Fokus. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums wird somit auch zu einer Aufgabe der digitalen Transformation im Bauwesen.

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