Die Speicherstadt Hamburg steht sinnbildlich für eine der schwierigsten Aufgaben der Bau- und Immobilienbranche: historischer Gebäudebestand, hoher Energiebedarf, strenger Denkmalschutz und zugleich der Anspruch auf Klimaneutralität. Genau hier setzt das Forschungsprojekt zur CO₂-Neutralität der Speicherstadt an. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Technologie, sondern die Art, wie geplant, bewertet und entschieden wurde. Building Information Modeling (BIM) ist dafür das zentrale Arbeitsmittel.
Reallabor für den klimapositiven Bestand
Zwischen 2021 und 2024 wurde untersucht, wie sich ein ganzes Quartier schrittweise in Richtung CO₂-Neutralität entwickeln lässt. Als Reallabor diente Block H, in dem Maßnahmen real umgesetzt, messtechnisch begleitet und ausgewertet wurden. Das langfristige Ziel ist klar definiert: ein weitgehend CO₂-neutraler Betrieb der gesamten Speicherstadt bis 2040.
Warum BIM im Bestand unverzichtbar ist
BIM wurde nicht eingesetzt, um ein einfaches 3D-Modell zu erzeugen, sondern weil konventionelle Planungsansätze im denkmalgeschützten Bestand an ihre Grenzen stoßen. Unvollständige Bestandsunterlagen, jahrzehntelange Umbauten und hohe Anforderungen an Nachvollziehbarkeit machen belastbare Entscheidungen ohne strukturierte Datenbasis unmöglich. BIM diente dazu, Komplexität beherrschbar, Varianten vergleichbar und Entscheidungen überprüfbar zu machen.
Was konkret mit BIM umgesetzt wurde
Im Projekt wurde BIM konsequent eingesetzt. Ausgangspunkt war eine präzise Bestandserfassung mittels 3D-Laserscan. Aus der Punktwolke entstand ein digitales Gebäudemodell, das Geometrie, Bauteile, Materialien und technische Anlagen in einer gemeinsamen Struktur vereinte (siehe Abb. 2 und 3). Dieses Modell bildete die verlässliche Grundlage für alle weiteren Planungs- und Betriebsprozesse.







