Newsletter Ausgabe 03/2026
Mit BIM verbinden viele zunächst 3D-Modelle, Koordination oder Kollisionsprüfung. In der Praxis entsteht der größte Informationswert jedoch nicht im Planungsbüro, sondern auf der Baustelle. Genau hier setzte die Forschung zu „BIM-Anwendungsfällen im Bauhandwerk“ an. Dieses Projekt wurde gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) aus Mitteln des Innovationsprogramms ZUKUNFT BAU.
Die Bauausführung als entscheidender Bestandteil von BIM
Die Einführung von BIM konzentrierte sich überwiegend auf Planende und Bauleitung. Das Bauhandwerk, also die ausführenden Gewerke, war in vielen Projekten nur unzureichend eingebunden.
Daraus ergab sich ein zentraler Widerspruch:
- Das digitale Modell beschrieb den Entwurf.
- Die Realität entstand erst beim Einbau der Bauteile.
Diese Differenz entschied später über Wartbarkeit, Betriebskosten und Sanierungsfähigkeit eines Gebäudes.
Handwerksbetriebe verfügten über Informationen, die im Modell sonst fehlten: konkret eingebaute Produkte, Materialien und tatsächliche Ausführungsdetails. Wurden diese Daten systematisch in das BIM-Modell zurückgeführt, entstanden belastbare Bestandsinformationen statt idealisierter Planungsstände.
Digitale Bauwerksdokumentation als Grundlage für den Betrieb
Ein Schwerpunkt der Forschung lag auf der digitalen Bauwerksdokumentation. Ziel war es, Revisionsunterlagen nicht mehr als PDF-Sammlung zu übergeben, sondern modellbasiert bereitzustellen.
Untersucht wurden insbesondere folgende Anwendungsfälle:
- Revisionsunterlagen der Baugewerke
- Revisionsunterlagen technischer Anlagen
- Nachweise nachhaltigen Bauens
- Terminplanung aus Sicht ausführender Unternehmen
- Digitale Liegenschaftserfassung und digitales Aufmaß
Der Effekt zeigte sich unmittelbar:
Wenn tatsächlich verbaute Materialien und Bauteile im Modell hinterlegt waren, konnten präzisere As-built-Modelle erstellt werden. Dadurch verbesserten sich Instandhaltung, Wartung und auch die spätere Wiederverwertung von Bauprodukten deutlich. Kurz gesagt: Erst durch die Baustellendaten wurde aus einem Planungsmodell ein Betriebsmodell.
Mehrwert entlang des gesamten Lebenszyklus
Die Forschung zeigte, dass BIM seinen Nutzen vor allem im Lebenszyklus entfaltete. Besonders relevant waren drei Aspekte:
1. Koordination der Gewerke
Die Verknüpfung von Terminplan und Modell verbesserte die Abstimmung zwischen den ausführenden Unternehmen.
2. Betrieb und Wartung
Dokumentierte Bauteile ermöglichten eine gezielte Instandhaltung statt reaktiver Reparatur.
3. Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Kenntnisse über eingebaute Materialien erleichterten Rückbau, Recycling und Wiederverwendung.
Damit verschob sich der Fokus von „BIM als Planungsmethode“ hin zu einem strukturierten Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus.
Voraussetzungen für eine breitere Anwendung
Die Untersuchung identifizierte zwei praktische Hürden:
- fehlende Vorlagen und standardisierte Vorgehensweisen
- mangelnde Qualifizierung im Bauhandwerk
Einer Vielzahl von Betrieben war nicht bekannt, welche Informationen sie liefern sollten oder in welcher Struktur. Deshalb entwickelte die Forschung konkrete Informationsanforderungen, Vorlagen und Schulungskonzepte. Diese sollten von Handwerkskammern und Ausbildungszentren genutzt werden können.
Konsequenz für zukünftige BIM-Projekte
Ein zentrales Ergebnis wurde häufig unterschätzt:
Der Digitale Zwilling entstand nicht durch Modellierung allein, sondern durch Rückmeldung aus der Ausführung.
BIM funktionierte nur durch einen zweiseitigen Informationsfluss:
- Die Planung lieferte Anforderungen und Struktur.
- Die Bauausführung lieferte reale Daten.
Erst dadurch entstand eine durchgängige Datennutzung im Bauprozess.
Fazit
Die zentrale Erkenntnis der Forschung war klar:
Ohne das Bauhandwerk bleibt BIM eine Planungsmethode. Mit dem Bauhandwerk wird es zu einem Instrument für Betrieb und Bestandsmanagement.
Die digitale Bauwerksdokumentation entschied direkt über die Qualität der Bestandsdaten, die Wartungsfähigkeit und die langfristige Nutzbarkeit von Gebäuden. BIM entwickelte sich damit vom 3D-Koordinationsinstrument zu einem strukturierten Informationssystem über den gesamten Lebenszyklus.
Hauptquelle: BBSR


