Über 5.800 genehmigungspflichtige Fabrikgebäude werden deutschlandweit jedes Jahr errichtet. Dies entspricht einem jährlichen Bauvolumen von rund 4,72 Milliarden Euro. Allerdings halten über 60 Prozent dieser Projekte ihre Kostenziele nicht ein, was zu jährlichen Mehrkosten von 330 Millionen Euro führt. Ursachen hierfür liegen häufig in unzureichenden Informationsflüssen sowie fehlender Transparenz in Planung, Genehmigung und Projektabstimmung. Der Einsatz der BIM-Methode kann diesen Defiziten entgegenwirken, indem alle relevanten Informationen konsistent, aktuell und modellbasiert an einer zentralen Stelle verfügbar gemacht werden. Dadurch lassen sich Planungsfehler früher erkennen, Abstimmungsprozesse verbessern und Kostenrisiken reduzieren.
Ganzheitliches Vorgehen in Fabrikplanung, -bau und -betrieb
Das Forschungsprojekt FaBIM (Fabriken ganzheitlich planen und bauen mit BIM) wurde ins Leben gerufen, um ein ganzheitliches Vorgehen für die Planungs-, Bau- und Betriebsphase von Fabriken zu entwickeln. Im Fokus standen die Schaffung einer gemeinsamen openBIM-basierten Datenumgebung (Common Data Environment, CDE), um den Informationsaustausch und das Informationsmanagement auf Basis des Industry Foundation Classes (IFC) zu ermöglichen. Das IFC ist ein herstellerunabhängiges und offenes Datenmodell, das zur Dokumentation und Lagerung von modellbasierten Daten in allen Projektphasen genutzt werden kann. Auf Basis dieses CDE wurde ein ganzheitliches 5D-BIM-basiertes Projektvorgehen entwickelt, das alle Phasen des Fabriklebenszyklus begleitete.
Das Projekt adressierte konkrete Herausforderungen der Fabrikplanung, darunter die enge Verzahnung von Gebäude, technischer Gebäudeausrüstung (TGA) und Produktionsanlagen, die in klassischen Planungsprozessen häufig zu Schnittstellenproblemen führt. Diese mussten im Rahmen von FaBIM systematisch digital abgebildet und koordiniert werden.
Die Forschenden entwickelten dazu eine integrierte openBIM-basierte Datenstruktur, die es erlaubte, Produktionslayout, Gebäudegeometrie, Medienversorgung und Tragwerksplanung in einem konsistenten Modell abzubilden. Grundlage war eine CDE, in der alle relevanten Informationen versioniert, qualitätsgesichert und modellbasiert bereitgestellt wurden.
Damit die BIM-Methode effizient angewandt werden kann, wurden die im Projekt erarbeiteten Prozesse in einem Informationslieferungshandbuch, also einem IDM (Information Delivery Manual) beschrieben. Das IDM definiert Prozesse, Rollen, Aufgaben und Anforderungen an Informationen und Daten. Es ist auf verschiedene Anwendungsfälle anwendbar und steht kostenlos zum Download bereit.
Das IDM wurde anhand realer Fabrikszenarien entwickelt und beschreibt exakt, welche Informationen in welcher Projektphase geliefert werden müssen, in welchem Format, mit welchem Detaillierungsgrad und durch welche Rolle. Damit schafft das IDM einen verbindlichen Rahmen für ein durchgängiges Informationsmanagement über Planung, Bau und Betrieb hinweg.
Es orientiert sich an internationalen Standards wie ISO 29481 und wurde für openBIM-Workflows optimiert.
Zusammenarbeit verschiedener Verbundpartner
Im Projektzeitraum von September 2022 bis August 2025 arbeiteten verschiedene Verbundpartner im FaBIM-Projekt zusammen. Gefördert wurde das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.



