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Digitale Projektabwicklung bei der Talbrücke Uttrichshausen an der A 7

Newsletter Ausgabe 05/2026

 

Bei dem Ersatzneubau der Talbrücke Uttrichshausen an der Bundesautobahn A 7 setzt die DEGES auf eine konsequent digitale Projektabwicklung im Infrastrukturbau. 

Das Bauwerk liegt rund 20 Kilometer südlich von Fulda und führt mit einer Gesamtlänge von rund 880 Metern die A 7 über den Ortsteil Uttrichshausen, den Wasserlauf Schmidtwasser sowie weitere Verkehrswege. Die bestehende Brücke wird durch einen Neubau nach aktuellen technischen Anforderungen ersetzt. Geplant sind jeweils zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung. Darüber hinaus wurden Lärmschutzmaßnahmen sowie die Entwässerung des Bauwerksumfelds in die Planung integriert. 

Das Projekt befindet sich derzeit in der Umsetzung und zählt damit zu den laufenden Beispielen für die digitale Transformation im deutschen Infrastrukturbau. Bereits in den Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) wird deutlich, dass das Projekt einen digitalen Anspruch verfolgt. Building Information Modeling wird nicht als ergänzendes Werkzeug verstanden, sondern als verbindliche methodische Grundlage der Planung. In den AIA wurde festgelegt, dass BIM in der Planungsphase als alleinige Planungsmethode anzuwenden war. Eine parallele konventionelle Planung in 2D war nicht vorgesehen, sofern die geforderten Leistungen vollständig mit BIM erbracht werden konnten. Benötigte 2D-Pläne wurden aus den Modellen, sofern vorhanden, abgeleitet. Damit setzt das Projekt ein deutliches Signal für die weitere Digitalisierung im Bundesinfrastrukturbau.

Die Auftraggeberseite definiert dafür eine Vielzahl konkreter BIM-Anwendungsfälle entlang des gesamten Planungsprozesses. Zu Beginn werden sämtliche relevante Bestandsdaten digital erfasst und in Fachmodellen strukturiert aufbereitet. Dazu gehören Vermessungsdaten, digitale Geländemodelle, Katasterinformationen, Baugrunddaten, Leitungsbestände sowie Informationen zur bestehenden Verkehrsinfrastruktur. Diese Daten werden in einem gemeinsamen Bestandsmodell zusammengeführt und bilden die Grundlage für alle weiteren Planungsentscheidungen. 

Auf dieser Basis entstehen anschließend die modellbasierten Planungsmodelle für den Neubau. Die verschiedenen Fachmodelle werden zu einem Gesamtmodell zusammengeführt, sodass Planungsvarianten frühzeitig technisch, wirtschaftlich und unter umweltfachlichen Gesichtspunkten bewertet werden können. Gleichzeitig dienen die Modelle dazu, potenzielle Konflikte zwischen Fachdisziplinen bereits in frühen Planungsphasen sichtbar zu machen. Ergänzend sieht das Projekt die Nutzung von Visualisierungen vor: Hochauflösende Renderings, Filmsequenzen oder frei navigierbare Modelle unterstützen dabei sowohl interne Abstimmungen als auch die Kommunikation mit externen Beteiligten und der Öffentlichkeit.

Ein weiterer Bestandteil ist die Verknüpfung der 3D-Modelle mit Termin- und Bauablaufinformationen. Durch diese 4D-Modellierung können Bauphasen, Verkehrsführungen, Baustellenlogistik oder temporäre Bauhilfen frühzeitig simuliert und optimiert werden. Zusätzlich werden die Modelle mit Mengen- und Kostendaten verknüpft. Über diese 5D-Anwendung lassen sich Bauteile direkt mit Kosteninformationen verbinden, Mengen automatisiert ermitteln und Varianten hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit vergleichen. Mehr zu den BIM-Dimensionen erfahren Sie auf unserer Webseite.

Neben der Planung spielt auch die Qualitätssicherung eine zentrale Rolle. Die Fachmodelle werden kontinuierlich auf geometrische Vollständigkeit, Informationsqualität und potenzielle Kollisionen geprüft. Für die Dokumentation und Nachverfolgung von Planungsanmerkungen ist die Nutzung offener Formate wie BIM Collaboration Format (BCF) vorgesehen. Sämtliche projektrelevante Daten, Modelle, Dokumente und Freigaben werden dabei über eine gemeinsame Datenumgebung, ein sogenanntes Common Data Environment(CDE), verwaltet. Dadurch entstehen transparente Freigabeprozesse und ein nachvollziehbarer Informationsfluss zwischen allen Projektbeteiligten.

Damit diese modellbasierte Zusammenarbeit organisatorisch funktioniert, definiert das Projekt klare BIM-Rollen. Der BIM-Manager vertritt die Auftraggeberseite und überwacht die strategische Umsetzung der BIM-Methode. Auf Auftragnehmerseite übernimmt der BIM-Gesamtkoordinator die Zusammenführung der Fachmodelle, die Durchführung von Konfliktprüfungen sowie die Fortschreibung des BIM-Abwicklungsplans. Ergänzt wird diese Struktur durch BIM-Koordinatoren innerhalb der einzelnen Fachdisziplinen sowie Modellautorinnen und Modellautoren, die die jeweiligen Fachmodelle erstellen und fortschreiben. Diese Rollenverteilung schafft verbindliche Verantwortlichkeiten und bildet die Grundlage für eine koordinierte, datenbasierte Projektabwicklung.

In der laufenden Bauphase kommt die modellbasierte Arbeitsweise zum Tragen. Innerhalb des Anwendungsfalls 170 „Abnahme und Mangelmanagement“ wird die Baustellenüberwachung und Qualitätskontrolle anhand abgestimmter digitaler Qualitätssicherungsformulare unterstützt. Diese Formulare werden vor Ort auf der Baustelle unter Einsatz eines Field Tools – einer mobilen Baustellenanwendung zur digitalen Datenerfassung und Dokumentation direkt am Bauwerk – zur besseren Identifikation, Überwachung und Archivierung an das Modell geheftet.  So wird die konventionelle Dokumentenführung in diesen Themenbereichen durch eine modellbasierte Arbeitsweise für die Projektbeteiligten vereinfacht.

 

Quelle: A 7: Ersatzneubau Talbrücke Uttrichshausen - DEGES

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