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Bauen ohne Stillstand: Wie BIM den Klinikumbau in Sinsheim beherrschbar macht

BIM Praxis

Der Neubau des Funktionsgebäudes und die Sanierung von Haus B der GRN-Klinik Sinsheim zeigen exemplarisch, wie Building Information Modeling (BIM) im Klinikbau unter realen Hochlastbedingungen eingesetzt wird. Im Mittelpunkt steht ein konsequenter, zielgerichteter Einsatz für digitales Planen und Bauen. Neubau und Bestand werden parallel entwickelt, bei laufendem Klinikbetrieb und mit hoher technischer sowie medizintechnischer Komplexität.

 

Projektumfang und Nutzung

Auf 17.600 m² soll ein neues Funktionsgebäude mit hochspezialisierten Bereichen entstehen: Zentrale Notaufnahme, OP-Bereich mit sechs Sälen, Stroke Unit, Intensivpflege, Gynäkologie mit fünf Kreißsälen sowie ein internistisches Zentrum mit Herzkatheterlabor. Diese Nutzungsvielfalt erfordert eine präzise Koordination von Räumen, Technik und Abläufen.

 

BIM als Werkzeug für Koordination und Sicherheit

Ein zentraler BIM-Anwendungsfall war die modellbasierte Verknüpfung von Neubau und Bestand. Beide Gebäudeteile werden digital abgebildet und gemeinsam koordiniert. Schnittstellen, etwa bei Medienanschlüssen, technischen Übergängen oder temporären Provisorien, können frühzeitig erkannt und geplant werden. Abhängigkeiten zwischen bestehenden Strukturen und neuen Bauteilen werden transparent, bevor sie in der Ausführung kritisch werden könnten.

Besonders prägend war der Einsatz von BIM in der Koordination der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) (siehe Abbildung). Aufgrund der hohen Dichte technischer und medizintechnischer Anlagen werden die Fachmodelle zusammengeführt und systematisch geprüft. Platzbedarfe, Kollisionsrisiken, Wartungszugänglichkeiten und funktionale Abhängigkeiten ließen sich frühzeitig analysieren und abstimmen. BIM wird damit zum zentralen Instrument, um technische Komplexität beherrschbar zu machen.

Abbildung - TGA der GRN-Klinik | Bild von Potthoff Gruppe

Bauen im laufenden Betrieb

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Planung des Bauens im laufenden Klinikbetrieb. Mithilfe der digitalen Modelle werden Bauphasen, Bauzustände und temporäre Erschließungen nachvollziehbar dargestellt. Sensible Funktionsbereiche können identifiziert und gezielt in der Bauablaufplanung berücksichtigt werden. Das reduziert Risiken für den Klinikbetrieb und erhöhte die Planungssicherheit.

 

Digitale Zusammenarbeit und Steuerung

BIM diente als gemeinsame Arbeits- und Entscheidungsgrundlage für alle Beteiligten. Funktionszusammenhänge, Raumfolgen und technische Lösungen werden im Modell klar nachvollziehbar sein. Entscheidungen basieren auf einem konsistenten digitalen Abbild statt auf abstrakten Plänen. Ergänzend wird BIM für die strukturierte Ableitung von Mengen, Terminen und Kosten genutzt. Änderungen lassen sich unmittelbar im Modell bewerten und in ihren Auswirkungen einordnen.

 

Digitale Prozesse und Transparenz

Der Einsatz einer zentralen Datenumgebung (auch genannt: Common Data Environment – CDE) ermöglichte einen durchgängigen Informationsfluss. Digitale Gebäudemodelle sorgen für Transparenz von der Planung über die Baustelle bis in den späteren Betrieb. Planungsfehler werden reduziert, Abläufe stabilisiert und die Grundlage für eine effiziente Nutzung geschaffen.

 

Energie und Nachhaltigkeit

Neben dem hohen technischen Standard wird das Gebäude energieeffizient konzipiert. Die Pfahlgründung wird gleichzeitig als saisonaler Wärme- und Kältespeicher genutzt. Über integrierte Wärmetauscherrohre und eine Wärmepumpe erfolgt der Energieaustausch abhängig von der Jahreszeit. Das verbessert die Klimabilanz und senkt den Energiebedarf im Betrieb.

 

Vorbereitung für den Digitalen Zwilling

Ziel der BIM-Methodik in Sinsheim ist es, am Ende ein „As-built“-Modell zu übergeben. Alle verbauten Komponenten (z. B. Pumpen oder Brandschutzklappen) enthalten digitale Datenblätter, die später direkt in das Facility Management (FM) übernommen werden können, um Wartungsintervalle effizient zu steuern.

 

Ausblick

Digitales Planen und Bauen ermöglicht die sichere Koordination von Neubau und Sanierung, schützt den laufenden Klinikbetrieb und schafft eine belastbare Grundlage für Betrieb und Weiterentwicklung. Der Projektabschluss ist für 2027 vorgesehen, der durchgängige Informationsfluss über digitale Modelle wird bis dahin konsequent sichergestellt.

Im Auftrag von:

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