Newsletter Ausgabe 08/2026
Eine Common Data Environment (CDE) bildet den organisatorischen und technischen Rahmen für das Informationsmanagement in BIM-Projekten. Sie unterstützt die strukturierte Sammlung, Verwaltung, Verteilung und Vernetzung von Modellen, Dokumenten und weiteren Projektinformationen und steuert digitale Arbeitsabläufe in Planung, Bau und Betrieb. Das im Mai 2026 veröffentlichte Whitepaper der buildingSMART-Fachgruppe „Offenes CDE-Ökosystem“ ordnet die fachlichen und technischen Grundlagen vernetzter Datenumgebungen ein.
Das offene CDE-Ökosystem beschreibt eine vernetzte Systemlandschaft aus mehreren spezialisierten Anwendungen. Offene Standards, dokumentierte Schnittstellen und abgestimmte Workflows verbinden die Systeme. Jedes System erfüllt klar zugeordnete Aufgaben und bleibt Teil eines gemeinsamen Informationsprozesses. Daten können automatisiert übertragen, weiterverarbeitet und für Digitale Zwillinge, strukturierte Auswertungen und datenbasierte Entscheidungen bereitgestellt werden.
Das Whitepaper unterscheidet zwischen dem CDE-Konzept, der technischen Umsetzung durch eine CDE-Plattform und den CDE-Arbeitsabläufen für Status, Prüfung, Freigabe, Übergabe und Nutzung von Informationen. Diese Trennung schafft eine Grundlage für Ausschreibung, Projektorganisation und Systemauswahl und erleichtert die Abstimmung zwischen Auftraggeber-CDE, Auftragnehmer-CDE, Fach-CDE und Asset-CDE.
Für die technische Interoperabilität stehen offene Standards und Dienste bereit. Industry Foundation Classes (IFC) unterstützt den modellbasierten Datenaustausch, BIM Collaboration Format (BCF) die Kommunikation zu Modellthemen, Information Delivery Specification (IDS) die maschinenlesbare Beschreibung von Informationsanforderungen und das buildingSMART Data Dictionary (bSDD) definiert Begriffe und Eigenschaften. Die openCDE API standardisiert Verbindungen zwischen CDE-Plattformen und erleichtert den Austausch von Dokumenten, Modellen und Metadaten.
Der normative Rahmen umfasst neben ISO 19650 „Informationsmanagement mit BIM“ auch die DIN SPEC 91391 „Gemeinsame Datenumgebungen für BIM Projekte – Funktionen und offener Datenaustausch zwischen Plattformen unterschiedlicher Hersteller“ mit funktionalen und organisatorischen Anforderungen an CDE-Systeme, die EN 17412-1 zum Level of Information Need (LOIN) sowie die Richtlinienreihen VDI 2552 und die Arbeiten der Arbeitsgruppe CEN/TC 442 „Building Information Modelling (BIM)“. Das offene CDE-Ökosystem führt diese Grundlagen in einer anwendungsbezogenen Systemarchitektur zusammen.
Die Fachgruppe entwickelt gemeinsame Begriffe, Anwendungsfälle, Informationsflüsse und Architekturmodelle:
- Ein Glossar soll Begriffe wie CDE, Multi-CDE, Fach-CDE, Asset-CDE und Informationscontainer einheitlich beschreiben.
- Ein Use-Case-Katalog erfasst Abläufe aus Planung, Bau, Betrieb und Organisation mit Rollen, Auslösern, Aktionen, Übergabepunkten, Informationsflüssen und Systemabhängigkeiten.
- Die Struktur unterstützt die Übertragung der Ergebnisse auf konkrete Projekte und Organisationen.
Zusätzlich soll eine Systemlandkarte CDEs, Fachsysteme, Integrationsplattformen, Konnektoren, Schnittstellen und Rollen einer Multi-CDE-Landschaft abbilden. Für priorisierte Workflows sollen systemneutrale Mindestanforderungen an Programmierschnittstellen und Verbindungen entstehen. Berücksichtigt werden Integrationsplattformen, Low-Code-Anwendungen, ereignisgesteuerte Architekturen, Open-Source-Komponenten und KI-basierte Verarbeitung. Die Anbindung eigener IT-Infrastrukturen stärkt die Gestaltungsfähigkeit der Organisationen.
Für den öffentlichen Sektor berücksichtigt das Whitepaper Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, den EU Data Act, den Cyber Resilience Act und Anforderungen an kritische Infrastrukturen.
Für Auftraggeber schafft der Ansatz eine fachliche Grundlage für präzise Anforderungen an Informationsmanagement und Systemkopplung. Planende, Ausführende und Betreiber erhalten gemeinsame Strukturen für Übergaben, Verantwortlichkeiten, Sicherheit und Datenhoheit. Damit wird der Lebenszyklus eines Bauwerks als zusammenhängender Informationsprozess abgebildet.


