Newsletter Ausgabe 07/2026
Mit dem BBSR Research Prototype 2026 zeigt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf der Landesgartenschau Neuss, wie digitale Planungs- und Fertigungsmethoden, Vorfertigung und zirkuläre Konstruktionsprinzipien im Zusammenspiel mit durchgängigen digitalen Prozessketten das Bauen transformieren können. Der Forschungsdemonstrator macht aktuelle Antworten und Ansätze aus der Forschung auf die Fragen nach kürzeren Bauzeiten sowie mehr Kosten- und Ressourceneffizienz für ein breites Publikum sichtbar und erlebbar.
Die Landesgartenschau Neuss findet vom 16. April bis zum 11. Oktober 2026 statt. Der Research Prototype ist Teil der BBSR-Modellvorhabenreihe, mit der das Innovationsprogramm „Zukunft Bau“ neue Forschungsideen aus der Wissenschaft in die praktische Anwendung überführt. Als Forschungsdemonstrator entsteht eine begehbare Ausstellungsstruktur, die nicht nur über neue Bauprozesse informiert, sondern diese im Maßstab 1:1 erfahrbar macht. Im Mittelpunkt stehen digitale Prozessketten, Vorfertigung, Automatisierung, zirkuläre Konstruktionsprinzipien und die Frage, wie Forschungsergebnisse wirksam in die Baupraxis übertragen werden können.
Die entwickelte Forschungsstruktur basiert auf Ergebnissen des Projekts TARGET_X, in dem unter anderem digital vernetzte und robotergestützte Bauprozesse sowie die Potenziale von 5G-Technologien für vernetzte Bauprozesse untersucht wurden.
Ein Kernstück bildet dabei eine durchgängige digitale Prozesskette. Digitale Bauwerksinformationen können von der Entwurfs- und Ausführungsplanung über die Fertigung bis zur Montage genutzt werden. Neben der Visualisierung wird der Planungsstand direkt mit der Herstellung und Umsetzung verknüpft. Aus BIM-Perspektive ist dieser Ansatz relevant, da digitale Bauwerksmodelle als zentrale, strukturierte Informationsbasis für Entscheidungen, Produktion und Ausführung dienen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vorfertigung modularer Bauteile. Die Ausstellungsstruktur ist modular aufgebaut und kann zerstörungsfrei zurückgebaut sowie wiederverwendet werden. Damit greift der BBSR-Prototyp zentrale Anforderungen des zirkulären Bauens auf: Bauteile werden so geplant, dass sie dokumentiert, demontiert und erneut genutzt werden können. BIM kann hier als Informationsspeicher dienen, etwa für Geometrie, Bauteilzuordnung, Materialinformationen, Montageabfolge und spätere Rückbauoptionen.
Besonders anschaulich wird der Forschungscharakter durch den Einsatz von Automatisierung und Baurobotik. Auf der Landesgartenschau werden praxisnahe Forschungsergebnisse zur Montage von Fassadenplatten mit Baurobotern gezeigt. Damit wird ein Anwendungsfeld adressiert, das im Bauwesen stark gewichtet ist: Die Verbindung von digitaler Planung, präziser Vorfertigung und automatisierter Ausführung. Digitale Modelle können dabei als Grundlage dienen, um Bauteile eindeutig zu beschreiben, Montagepositionen festzulegen und maschinenlesbare Informationen für Fertigungs- und Montageprozesse bereitzustellen.
Auch das Thema Monitoring ist Bestandteil des BBSR Research Prototype 2026. So verfügt er unter anderem über eine Grünfassade mit automatisiertem Bewässerungssystem und Echtzeitmonitoring. Damit wird deutlich, dass digitale Prozesse nicht mit der Montage enden. Relevante Betriebsdaten können erfasst, ausgewertet und für Steuerungsentscheidungen genutzt werden. Im BIM-Kontext eröffnet dies den Übergang vom digitalen Planungsmodell zu einer datenbasierten Betriebs- und Instandhaltungslogik.
Der BBSR Research Prototype 2026 veranschaulicht damit mehrere Potenziale digitaler Methoden im Bauwesen: Planungsinformationen können konsistenter verarbeitet, Fertigungsschritte gezielter vorbereitet und Montageprozesse präziser gesteuert werden. Gleichzeitig entsteht eine bessere Grundlage für Transparenz, Qualitätssicherung und Nachvollziehbarkeit.
Ein weiterer Nutzen liegt in der Kommunikation. Die Ausstellungsstruktur wird während der Landesgartenschau Neuss 2026 einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Damit wird Bauforschung nicht nur innerhalb der Fachcommunity diskutiert, sondern öffentlich erfahrbar. Gerade bei digitalen Bauprozessen ist dieser Transfer wichtig: Viele Potenziale bleiben abstrakt, solange sie nur in Berichten, Modellen oder Laborumgebungen beschrieben werden. Ein begehbarer Prototyp macht digitale Planung, automatisierte Fertigung und zirkuläre Bauweise anschaulich.
Quelle: BBSR - Ressortforschung - BBSR Research Prototype 2026 – Ausstellungsstruktur für die Landesgartens…


