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U5 Hamburg: Digitale Genehmigung und Planung mit BIM – Ein Infrastrukturprojekt macht Tempo

Die neue Hamburger U‑Bahn‑Linie U5 wird mit BIM geplant – inklusive der Genehmigungsunterlagen. Damit zeigt das Projekt, wie sich digitale Modelle, strukturierte Daten und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu einem durchgängigen Planungs- und Genehmigungsprozess verbinden lassen. Ein Leuchtturm für digitale Infrastrukturprojekte.

 

Hamburg plant mit der U5 eine hochmoderne, vollautomatische U-Bahn-Linie, die das Stadtgebiet künftig auf rund 24 Kilometern in Ost-West-Richtung durchqueren wird. Mit dieser neuen Verbindung wächst das U-Bahn-Netz der Hansestadt um etwa 20 Prozent. Ziel ist es, weitere Stadtteile direkt an die Innenstadt anzubinden – ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Mobilität. Rund 150.000 Hamburgerinnen und Hamburger werden künftig im direkten Umfeld der neuen Haltestellen wohnen.

Verantwortlich für das Projekt ist die Hamburger Hochbahn AG. Erste Abschnitte befinden sich bereits im Planfeststellungsverfahren, für den mittleren Teil der Strecke laufen aktuell Vorplanungen. Dabei geht es um mögliche Linienführungen, Haltestellen und Bauverfahren auf einer Länge von rund 17 Kilometern.

Bereits die Grundlagenuntersuchung wurde vollständig digital und modellbasiert durchgeführt – ein entscheidender Vorteil für Transparenz und Nachvollziehbarkeit im weiteren Planungsverlauf. Technisch sind die Streckentunnel in Schildvortrieb mit zwei separaten Röhren von jeweils rund 7 Metern Durchmesser vorgesehen. Die Haltestellen entstehen überwiegend in offener Bauweise mit Mittelbahnsteigen und darüberliegenden Verteilerebenen. Der teils anspruchsvolle Untergrund ermöglicht dabei nur bei wenigen Stationen den klassischen Bau mit Schlitzwand und Deckel.

 

Die Stärken von BIM im Einsatz

Großprojekte wie die U5 stellen gerade im innerstädtischen Raum enorme Anforderungen an die Planung: Beengte Platzverhältnisse, technische Komplexität und zahlreiche Beteiligte erfordern präzise Koordination. Besonders wichtig ist dabei die frühzeitige Einbindung aller relevanten Akteure sowie ein durchdachtes Datenmanagement. Auch hier zeigt die BIM-Methodik ihre Stärken – sie schafft die Grundlage für eine strukturierte, digitale Planung, die spätere Phasen erheblich erleichtert.

Die Einführung von BIM – vorangetrieben unter anderem durch den Stufenplan des Bundesverkehrsministeriums (BMV)– folgt einem klaren Prinzip: „Erst digital, dann real bauen." Und das zeigt Wirkung. Mittlerweile ist BIM fester Bestandteil vieler großer Infrastrukturprojekte.

 

Digitale Modelle als Planungsgrundlage

Das Generalplanerteam IGU5M – bestehend aus Schüßler‑Plan, WTM Engineers und ISP Ziviltechniker – verantwortet die modellgestützte Planung für den westlichen Abschnitt der U5. Die Planung erfolgt über interdisziplinäre Koordinationsmodelle mit mehreren tausend Teilmodellen.

Die Besonderheit: Neben dem Bauwerk selbst werden auch Zeitabläufe (4D) und Kosteninformationen (5D) im Modell integriert. Damit lassen sich Abläufe simulieren, Ressourcen präziser kalkulieren und potenzielle Zielabweichungen frühzeitig erkennen.

 

Von der Modellplanung zur Genehmigung

Die BIM‑basierte Planung bildet die Grundlage für die Genehmigungsunterlagen. Der Abschnitt City Nord bis Jarrestraße befindet sich aktuell in der Entwurfs- und Genehmigungsphase. Auch für den daran anschließenden Abschnitt Jarrestraße bis Arenen läuft die Planung vollständig digital. Zwar erfolgt die Einreichung bei den zuständigen Behörden noch über klassische Unterlagen – die Inhalte stammen jedoch direkt aus dem digitalen Modell. Damit wird ein entscheidender Zwischenschritt hin zu einem voll modellbasierten Genehmigungsverfahren umgesetzt.

 

Mehrwert für Planung und Behörden

Die Vorteile der BIM‑basierten Genehmigung liegen auf der Hand:

  • Planung aus einem Guss: Zeit, Kosten und Bauwerk werden im digitalen Modell zusammengeführt.
  • Höhere Qualität: Konsistente Daten und bessere Abstimmung zwischen den Gewerken.
  • Mehr Transparenz: Behörden können Sachverhalte im Modell direkt nachvollziehen.
  • Effizientere Verfahren: Reduzierte Rückfragen, weniger Planänderungen und bessere Nachvollziehbarkeit.

 

Ausblick: Standardisierung schafft Skalierbarkeit 

Die Erfahrungen aus dem U5‑Projekt bieten Potenzial für weitere Infrastrukturvorhaben. Standardisierte Datenstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und modellbasierte Genehmigungsprozesse schaffen Grundlagen für effizientere Planungen in der öffentlichen Hand.

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