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Neues aus dem DIN-Normenausschuss Bauwesen aus dem Dezember

Normung und Standardisierung

Die Normungsarbeit im Fachbereich 13 „BIM – Building Information Modeling“ hat im Dezember wichtige Impulse gesetzt. Auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene verdichten sich die Aktivitäten rund um Digitale Zwillinge, Datenaustausch, den Digitalen Produktpass und die Weiterentwicklung zentraler BIM-Standards. Die aktuellen Themen zeigen deutlich: BIM-Normung wird zunehmend als Infrastruktur für durchgängige, datenbasierte Prozesse verstanden.

Ein Schwerpunkt liegt auf Digitalen Zwillingen in der bebauten Umwelt. Zwei neue europäische Normungsprojekte – das Digital Building Logbook sowie „Digital twins applied to the built environment – Classification and requirements for maturity levels“ – befinden sich in der Kommentierungs- und Annahmephase. Parallel dazu steht für Anfang 2026 die Veröffentlichung der Norm „Digital twins applied to the built environment – Concept and definitions“ an. Damit werden erstmals einheitliche Begriffe, Konzepte und Reifegradmodelle für Digitale Zwillinge geschaffen, die sowohl den Hochbau als auch den Infrastrukturbereich adressieren.

Eng damit verknüpft ist die Begleitung des Digitalen Produktpasses (DPP) für den Baubereich. Die Normungsaktivitäten orientieren sich an den Anforderungen der neuen Bauproduktenverordnung und zielen auf eine konsistente, digitale Beschreibung von Bauprodukten über den gesamten Lebenszyklus. Der DPP entwickelt sich damit zu einem verbindenden Element zwischen BIM, Nachhaltigkeit, Circular Economy und Produktdatenmanagement.

Ein weiteres zentrales Thema ist der Datenaustausch und die Interoperabilität. Aktuell werden Normungsprojekte zur Informationsbedarfstiefe, zur Kopplung von BIM und Geoinformationssystem (GIS) sowie zur Verknüpfung geometrischer Modelle mit technischen Spezifikationen vorangetrieben. Parallel laufen turnusmäßige Überprüfungen etablierter Normen wie der ICDD (Information Container for linked Document Delivery) sowie vorbereitende Arbeiten zur Fortschreibung der IFC-Normenreihe (EN ISO 16739) im Hinblick auf IFC 4.4 und insbesondere IFC 5. Ziel ist es, die IFC-Normung stärker modular, anschlussfähig und zukunftsfähig auszurichten.

Auch das Informationsmanagement mit BIM wird normativ weiterentwickelt. Neben der Überarbeitung der Normenreihe EN ISO 19650 entstehen neue europäische Projekte zu Common Data Environment (CDE)-Anwendungsframeworks, BIM-Anwendungsfällen und Klassifikationsübersichten. Damit rücken organisatorische und prozessuale Fragestellungen stärker in den Fokus der Normung.

Ergänzend gewinnt das Thema Fachkompetenz an Bedeutung. Europäische Normungsprojekte befassen sich zunehmend mit Qualifikationsanforderungen und Rollenbildern im BIM-Umfeld. Ziel ist es, Kompetenzprofile klarer zu definieren und an bestehende Richtlinien anzubinden.

Auf strategischer Ebene ist zudem die neu beschlossene Liaison zwischen CEN/TC 442 und dem europäischen KI-Komitee CEN/CLC/JTC 21 „Artificial Intelligence“ von besonderer Relevanz. Künstliche Intelligenz wird damit offiziell als Querschnittsthema der BIM-Normung anerkannt. Eine proaktive Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass zukünftige Standards zu BIM, Digitalen Zwillingen und KI anschlussfähig und konsistent entwickelt werden.

Diese Themen werden auch im Rahmen der halbjährlichen Sitzungen aller Arbeitsgruppen des CEN/TC 442, die im März 2026 in Berlin stattfinden, weiter vertieft und abgestimmt.

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