Newsletter Ausgabe 03/2026
Am 11. Februar 2026 hat das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (HMWVW) die Eckpunkte der Expertenkommission „Innovation im Straßenbau“ vorgestellt. Die Kommission wurde im Rahmen des „Verkehrspaket I“ eingesetzt und hat konkrete, praxisorientierte Vorschläge erarbeitet.
Verkehrsminister Kaweh Mansoori machte deutlich: Der größte Bremsklotz im Straßenbau liegt nicht im Bauen selbst, sondern in Verfahren, Nachweisen, Vergaben und Abrechnungen. Mehr Geld allein beschleunigt keine Projekte. Entscheidend sind verlässliche, praxistaugliche Abläufe.
Die Empfehlungen der Kommission konzentrieren sich auf drei Handlungsfelder:
Prozesse und Digitalisierung
- BIM im Alltag stärken
Zur Stärkung von BIM soll ein vom Land moderierter „Runder Tisch BIM“ eingerichtet werden. In diesem Austauschformat stimmen sich Verwaltung, Kommunen, Planungsbüros und Bauwirtschaft über Standards, Erfahrungen und Schulungsbedarfe ab. Ergänzend sind niedrigschwellige Grundlagenangebote für kleinere Kommunen und Unternehmen vorgesehen. Digitale Datenbereitstellung
Projektunterlagen sollen künftig bereits im Vergabeverfahren vollständig digital und in bearbeitbaren Formaten bereitgestellt werden. Pilotprojekte im Bereich Bauwerke sind geplant.Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverband Hessen-Thüringen und Vertreter der Branche in der Expertenkommission, betont: Digitalisierung kann Effizienzgewinne im Straßenbau heben – jetzt kommt es auf die Umsetzung an.
Bauvergabe und Bauvertragsangelegenheiten
- Verschlankung der Vergabeunterlagen
Formulare und Nachweise werden reduziert und gebündelt. Bei rund 400 Landes- und Kreismaßnahmen pro Jahr entsteht dadurch eine spürbare Entlastung für Bietende und Auftraggeber. Funktionale Ausschreibungen im Brückenbau
Planung und Bau werden stärker zusammengeführt. Nicht jedes Detail wird vorgegeben, sondern die zu erreichende Funktion des Bauwerks definiert. Das eröffnet Spielräume für effizientere Lösungen.Sylvia Hipfl-Träger, Präsidentin von Hessen Mobil und ebenfalls Mitglied der Expertenkommission, betont, dass Regelwerke und Vergabeprozesse systematisch überprüft und gezielt verschlankt werden.
Recycling und alternative Baustoffe
- Mehr Wiederverwendung vor Ort
Abbruchmaterial soll verstärkt direkt auf der Baustelle wiederverwendet werden. Ziel sind höhere Recyclingquoten, weniger Transporte und geringere CO₂-Emissionen. Vereinfachung bei Ersatzbaustoffen
Vorhandene Daten zu Grundwasser und Bodenverhältnissen sollen gebündelt werden, um Gutachtenaufwand zu reduzieren. Einheitliche Vorgaben sorgen für Rechtssicherheit. Auf Bundesebene setzt sich Hessen für weniger Dokumentationspflichten ein.Recycling spart Rohstoffe und Kosten bei vergleichbarer technischer Qualität.
Einordnung: Verkehrspaket I in der Umsetzung
Die Kommission ist Teil des „10-Punkte-Plans zu Bürokratieabbau und Bürgerfreundlichkeit im Straßenbau und Verkehrsrecht“.
Bereits umgesetzt oder in Umsetzung sind unter anderem:
- Abschaffung der Bündelungsbehörden
- Einführung des Digitalen Baustellenmanagements „AMS Hessen“
111 Behörden bekundeten Interesse, 79 Kommunen und fünf Landkreise testen das System - Vereinfachungen in der kommunalen Infrastrukturförderung
- Pilotprojekt „Quick Check ausländische Fahrerlaubnis“ in Frankfurt
- Vereinfachungen bei Großraum- und Schwertransporten
- Vorbereitung der Novelle des Hessischen Straßengesetzes
Die Kommission selbst nahm am 15. Juli 2025 ihre Arbeit auf. Beteiligt sind Verbände der Bau-, Rohstoff- und Recyclingwirtschaft, Gewerkschaften, Hessen Mobil sowie das Ministerium.
Der Ansatz ist klar: weniger abstrakte Reformdebatten, mehr konkrete Eingriffe in Richtlinien, Vergabeprozesse und technische Rahmenbedingungen.
Quelle: Mobil.Hessen


