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EU BIM Task Group: Europäische Koordination für BIM im öffentlichen Bauwesen

Aus der BIM Welt

Öffentliche Bau- und Infrastrukturprojekte sind technisch komplex, langfristig wirksam und häufig grenzüberschreitend vergleichbar. Unterschiedliche Vorgehensweisen, Reifegrade und Anforderungen erschweren jedoch Effizienz, Zusammenarbeit und Markttransparenz. Die EU BIM Task Group adressiert diesen Bedarf durch europäische Koordination und fachlichen Austausch.

Die EU BIM Task Group ist ein europaweites Netzwerk öffentlicher Auftraggeber, Bauverwaltungen und Infrastrukturbetreiber. Ziel ist es, die Einführung digitaler Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse im öffentlichen Sektor strategisch zu unterstützen. Hierzu veröffentlicht die Gruppe Empfehlungen, Leitfäden und praxisorientierte Handlungshilfen.

Sie bringt öffentliche Akteure zusammen, um gemeinsame Leitplanken zu entwickeln, Wissen zu bündeln und Investitionen in Digitalisierung zielgerichtet auszurichten. Dadurch entsteht Planungssicherheit für Verwaltungen, Marktteilnehmer und politische Entscheidungsträger gestärkt.

Die EU BIM Task Group wurde 2016 als von der Europäischen Kommission kofinanzierte Initiative gegründet. Nach der Aufbauphase entwickelte sie sich zu einem eigenständig organisierten Netzwerk öffentlicher Auftraggeber und Verwaltungen. Heute bündelt sie nationale Strategien, Erfahrungen  und Anwendungsfälle und stellt ihre Ergebnisse unabhängig bereit. 

Strategische Ziele der EU BIM Task Group:

  • Europäische Ausrichtung der BIM-Anwendung
    Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses für BIM im öffentlichen Sektor und Abstimmung nationaler Strategien.
  • Stärkung öffentlicher Auftraggeber
    Öffentliche Bauherren treten koordiniert auf und bringen ihre Anforderungen geschlossen in Normung, Standardisierung und Marktprozesse ein.
  • Praxisnahe Unterstützung
    Bereitstellung von Leitfäden, Bewertungsmodellen und Handlungsempfehlungen für die Einführung und den Betrieb von BIM.
  • Wissenstransfer und Qualifizierung
    Austausch bewährter Vorgehensweisen über Ländergrenzen hinweg durch Workshops, Arbeitsgruppen und Publikationen.
  • Messbarkeit und Transparenz
    Erhebung und Auswertung von Daten zum BIM-Reifegrad, zu Nutzenpotenzialen und zu Umsetzungshürden im öffentlichen Sektor.

Aktivitäten und Veröffentlichungen

Die EU BIM Task Group hat ein strukturiertes CBA-Modell (Cost-Benefit-Analyse) entwickelt, mit dem sich wirtschaftliche, qualitative und organisatorische Effekte der BIM-Anwendung systematisch bewerten lassen. Der Leitfaden unterstützt öffentliche Verwaltungen dabei, fundierte Entscheidungen von BIM zu treffen und Investitionen nachvollziehbar zu begründen.

Regelmäßige europäische Workshops befassen sich mit zentralen Themen wie Informationsanforderungen, Open-BIM-Ansätze, Common Data Environments (CDE), Governance-Strukturen sowie organisatorischen Umsetzungsfragen. Die Ergebnisse werden dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Die Task Group führt wiederkehrende Befragungen zur BIM-Anwendung im öffentlichen Sektor durch. Der Bericht liefert belastbare Daten zum Umsetzungsstand, zu Hemmnissen und zu Erfolgsfaktoren in den Mitgliedstaaten.

In Positionspapieren formuliert die EU BIM Task Group Empfehlungen zur strategischen Weiterentwicklung von BIM in EU-Ländern, insbesondere im Kontext öffentlicher Beschaffung, Digitalisierungspolitik und Standardisierung.

Organisation und Arbeitsweise

Die EU BIM Task Group arbeitet über eine General Assembly, ein Steering Committee und thematische Arbeitsformate. Mitglieder sind Vertreter öffentlicher Auftraggeber, Infrastrukturbetreiber und politischer Entscheidungsträger aus über 20 europäischen Ländern (darunter Deutschland, Frankreich, Italien und skandinavische Staaten). Die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt und auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet.

Bedeutung für Europa

Die EU BIM Task Group fungiert als zentrales Bindeglied zwischen nationalen BIM-Initiativen und europäischer Digitalpolitik im Bauwesen. Sie schafft Orientierung, Vergleichbarkeit und strategische Kohärenz und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung öffentlicher Bau- und Infrastrukturprojekte in Europa.

Deutscher Beitrag zur europäischen BIM-Koordination

Deutschland bringt sich aktiv in die europäische Zusammenarbeit ein. Über nationale Strukturen und Programme fließen Erfahrungen aus Bundes- und Infrastrukturprojekten in den europäischen Austausch ein. Zu den beteiligten Institutionen zählen unter anderem das Bundesministerium für Verkehr und das Bundesministerium für Wohnen, Standentwicklung und Bauwesen. 

Damit trägt Deutschland zur Weiterentwicklung gemeinsamer Strategien, Bewertungsansätze und Handlungsempfehlungen für den öffentlichen Sektor bei.

Im November 2025 veröffentlichte die EU BIM Task Group ein Positionspapier zu BIM und öffentlicher Beschaffung veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Grundprinzipien für den Einsatz von OpenBIM in Vergabeverfahren, der Austausch bewährter Vorgehensweisen zwischen den Mitgliedstaaten sowie die praktische Unterstützung öffentlicher Auftraggeber. Das Positionspapier ist hier in englischer Sprache verfügbar.

Im Auftrag von:

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