Newsletter Ausgabe 06/2026
Das Hauptziel des Forschungsvorhabens BIM2Build bestand darin, systematisch zu analysieren, wie die Nutzung von BIM über die reine Planung hinaus die Realisierung von Infrastrukturprojekten positiv beeinflussen kann. Zu diesem Zweck wurden reale BIM-basierte Bauprojekte hinsichtlich ihrer Effizienz, Kosten und Qualitätsmerkmale untersucht und mit traditionell geplanten Projekten verglichen. Über quantitative und qualitative Bewertungsparameter (KPIs) – wie etwa die Anzahl und Art aufgezeichneter Baufehler – wurden bestehende Probleme in der BIM-Implementierung ermittelt, um daraus Standardisierungen und praktische Empfehlungen für die Leistungsphasen 5 bis 8 abzuleiten.
Analyseergebnisse aus den Praxisprojekten
Die wissenschaftliche Begleitung von sechs realen Schienen-Infrastrukturprojekten der DB InfraGO AG – darunter Brückenbauwerke und ein unterirdischer Personenbahnhof – liefert konkrete Erkenntnisse über die Erreichung der Effizienz-, Kosten- und Qualitätsziele sowie die verbleibenden Hürden in der Praxis:
- Kollisionsprüfungen und Fehlervermeidung: Digitale 3D-Kollisionskontrollen haben sich bewährt und Planungsfehler frühzeitig aufgedeckt. Die geometrische Planungsqualität war hoch; baubegleitende Mängel oder Verzögerungen im Bauablauf resultierten aus anderen Faktoren außerhalb der Modellplanung.
- Modellbasierte Besprechungen: Die visuelle Orientierung und die räumliche Wahrnehmung in den Baubesprechungen verbesserten sich durch die direkte Nutzung der Modelle erheblich. Zudem profitierte die Praxis von einer beschleunigten und transparenten Mengenermittlung direkt aus den digitalen Daten.
- Modellfortschreibung und Datenkonsistenz: Ein wesentlicher Schwachpunkt war die Initiierung neuer Modelle für die Ausführungsphase anstelle einer nahtlosen Weiterführung der Bestandsdaten. Aufgrund unpassender Anforderungen zwischen den Leistungsphasen wurde kein durchgängiger digitaler Lebenszyklus erreicht. Die inkonsistente Attribuierung der Modelle erforderte zudem im Alltag die manuelle Ableitung klassischer 2D-Pläne.
- Software- und Plattformnutzung: Der parallele Einsatz unterschiedlicher Datenplattformen (CDE – Common Data Environment) für die Planung und die Ausführung erschwerte den durchgehenden Informationsfluss. Das modellbezogene Mängelmanagement über BIM Collaboration Format (BCF)-Schnittstellen wies Defizite auf: Technische Hürden und unklare automatisierte Benachrichtigungen führten zu einer Verlagerung der Kommunikation auf den konventionellen E-Mail-Verkehr.
- Termin- und Baufortschrittskontrolle: Fehlende Bauteilidentifikationen und inkonsistente Modelle erschwerten die Verknüpfung der 3D-Modelle mit den Zeit- und Bauablaufplänen. Eine modellbasierte Baufortschrittskontrolle sowie eine automatisierte Abrechnung waren daher nur mit hohem manuellem Anpassungsaufwand umsetzbar.
Handlungsempfehlungen für die Baupraxis
Aus den Untersuchungsergebnissen des Forschungsvorhabens resultieren die folgenden zentralen Handlungsempfehlungen für die Baupraxis:
- Durchgängiger Modell-Lebenszyklus: Eine kontinuierliche Fortschreibung und schrittweise Detaillierung desselben Digitalmodells von der Konzeption bis zur Fertigstellung sichert den Informationserhalt über alle Leistungsphasen hinweg.
- Modellzentriertes Arbeiten: Das digitale Modell dient als primäres Werkzeug für Qualitätsprüfungen, Baubesprechungen, Ablaufplanung und Mengenermittlung. Die Arbeitsabläufe basieren vollständig auf modellbasierten Datenabgaben.
- Standardisierte Strategien und Plattformen: Verbindliche Qualitätsrichtlinien – wie einheitliche Geometriemodelle – und präzise Anforderungen an die gemeinsame Datenumgebung (CDE) gewährleisten reibungslose Softwareschnittstellen.
- Kontinuierliche Fachausbildung: Gezielte und fortlaufende Weiterbildungen aller Projektbeteiligten sichern die erforderliche Qualifikation für die Anwendung der BIM-Prozesse im Baualltag.
Der ausführliche Forschungsbericht mit detaillierten Analysen und Ergebnissen kann hier eingesehen werden.


