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Digitale Planung mit System
BIM als Rückgrat des Seminarcenters Viega World Attendorn

BIM-Praxis

Newsletter Ausgabe 03/2026

 

Das neue Seminar- und Weiterbildungszentrum der Viega World Attendorn ist ein nahezu 12.000 m² großer Bau mit Seminar-, Ausstellungs- und Kommunikationsflächen. Es ist als interaktives Lern- und Demonstrationszentrum konzipiert, in dem moderne Gebäudetechnik und Wissensvermittlung verzahnt werden. Das Gebäude selbst dient als Lehrobjekt für Themen wie Trinkwasserhygiene, Energieeffizienz, Schall- und Brandschutz sowie digitales Planen und Bauen. 

 

BIM-Planung von Anfang an

Die integrale Planung basierte auf einem gemeinsamen digitalen Modell, entlang dessen sich alle Leistungsphasen orientierten. Architektur, Tragwerk und Technische Gebäudeausrüstung (TGA) wurden von Anfang an integrativ in vernetzten Fachmodellen abgebildet. BIM bestimmte die Struktur des Entwurfsprozesses, indem nicht allein die Architektur, sondern die funktionalen Anforderungen des Gebäudes Ausgangspunkt der Modellierung waren. 

Besonderes Gewicht erhielt die TGA: Anstatt sie am Ende der Architekturplanung einzufügen, bildete sie das strukturelle Gerüst des Planungsmodells, weil gerade Versorgungssysteme – wie Heizung, Kühlung, Sanitär und Energieversorgung – für Betrieb, Nutzung und Schulungsqualität zentral sind. Dank der BIM-Methodik konnten komplexe Wechselwirkungen zwischen Gebäudehülle, Komfortbedingungen und Energiebedarf bereits in frühen Phasen systematisch analysiert und optimiert werden. 

 

Modellkoordinierung und Qualitätsmanagement

Während der Entwurfs- und Genehmigungsphasen liefen kontinuierliche Modellkoordinationen. Diese Koordinationen hatten klare Ziele: Kollisionen zwischen Fachmodellen erkennen, strukturelle Konsequenzen bewerten und Planungsentscheidungen dokumentieren. Die BIM-Modelle wurden in einem gemeinsamen Datenumfeld abgelegt, sodass alle Beteiligten mit dem gleichen Informationsstand arbeiteten. Dieser abgestimmte Workflow lieferte eine belastbare Basis für Kosten- und Mengenermittlungen und reduzierte Planungsabweichungen in späteren Leistungsphasen. 

 

Bauphase mit digitaler Grundlage

Im Bauablauf wurde das digitale Modell fortgeführt. Mengen, Bauteilzuordnungen und Planänderungen wurden über das BIM-Modell gesteuert. Die Transparenz der digitalen Informationen erleichterte die Koordination der Gewerke auf der Baustelle, weil jeder am Projekt Beteiligte auf ein konsistentes Datengerüst zugreifen konnte. Durch dieses abgestimmte Vorgehen konnten Ausführungsfragen schneller geklärt werden und Fehler vor Realisierung im Modell geprüft werden. 

Parallel zur Realisierung lief eine BIM-gestützte Inbetriebnahmephase über mehrere Monate. In dieser Phase wurde das Gebäude energetisch optimal auf seine Betriebsbedingungen eingestellt – ein Prozess, der digital vorbereitet und überwacht wurde, bevor der reguläre Seminarbetrieb startete. 

 

Nachhaltigkeit und Lebenszyklusbetrachtung

Das Seminarcenter wurde als klimaneutrales Gebäude geplant. Das BIM-Modell bildete die Grundlage für die Simulation unterschiedlicher Varianten der Fassadengestaltung und deren Einfluss auf Energieeffizienz und thermische Behaglichkeit ab. Photovoltaikanlagen auf Dach, Fassade und Freifläche sowie ein Nahwärmenetz mit einer benachbarten Produktionshalle sorgen dafür, dass die Viega World in der Netto-Primärenergiebilanz mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht. Diese nachhaltige Performance wurde bereits mit der Vorabzertifizierung „Platin“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bewertet. 

 

BIM als Lern- und Schulungsobjekt

Die integrative BIM-Planung hat nicht nur der Projektsteuerung gedient, sondern ist integraler Bestandteil der Lernkonzepte im fertigen Gebäude. Offengelegte Systeme, digitale Modelle und Monitoring-Tools machen komplexe technische Prozesse für Besucher erlebbar und verständlich. Die Viega World fungiert damit gleichzeitig als didaktisches Objekt für Seminare zum digitalen Bauen, zur Technischen Gebäudeausrüstung und zu Nachhaltigkeitsstrategien. 

 

Schlussbetrachtung

Das Seminarcenter Viega World Attendorn setzt Maßstäbe, weil BIM in allen wesentlichen Projektphasen – von der integralen Planung über die Ausführung bis zur Inbetriebnahme und Nutzung – konsequent genutzt wurde. Die Methodik hat nicht nur zur technischen und organisatorischen Qualität beigetragen, sondern das Gebäude selbst in den Mittelpunkt eines modernen Wissens- und Erfahrungstransfers gestellt. 

 

Quelle: Bundesbaublatt

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