Der Verkehrswasserbau, insbesondere bei der Planung und Sanierung älterer Wasserbauwerke, steht häufig wie auch bei ähnlichen Bauwerken vor den Herausforderungen: heterogene oder lückenhafte Bestandsdaten, erschwerte Zugänglichkeit der Bauwerke, komplexe hydraulische und geotechnische Randbedingungen, ein laufender Betrieb, der nur begrenzte Sperrpausen zulässt, sowie hohe Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz. Hier unterstützt die Arbeitsmethode BIM insbesondere bei der strukturierten Aufbereitung des Bestands und der Koordination künftiger Baumaßnahmen. Sie schafft eine belastbare digitale Grundlage, die von der Bestandsaufnahme über die Planung bis zur Ausführung und Instandhaltung genutzt werden kann.
Das Projekt der Schleuse Berlin-Neukölln zeigt, wie es auch hier Ansätze zum erfolgreichen Einsatz digitaler Werkzeuge gibt. Im Zentrum stehen Bestandsmodelle, die im Kontext von BIM einen wichtigen Ausgangspunkt darstellen.
Bestandsdigitalisierung und Erstellung des 3D-Bestandsmodells
Die Grundlage des Projekts bildet ein detailliertes 3D-Bestandsmodell des Neuköllner Schifffahrtskanals, einschließlich der Schleuse. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Berlin beauftragte die Erstellung dieses Modells. Das Ziel war es, ein umfassendes Bauwerksinformationsmodell zu entwickeln, das als Datenbasis für alle weiteren Planungsmaßnahmen dient. Dies umfasst sowohl die Ertüchtigung der Ufereinfassungen als auch den Neubau der Schleuse.
Die Bestandsdaten für das Modell waren aufgrund der Kanallänge von vier Kilometern und der Komplexität der vorhandenen Bauwerke heterogen. In einem gemeinsamen BIM-Abwicklungsplan wurden deshalb frühzeitig die Modellstruktur gemeinsam mit den Informationsbereitstellern festgelegt.
Die Erstellung des Modells erfolgte schrittweise. Zunächst wurde ein Pilotabschnitt des Ufers bearbeitet, um die erforderliche Informationsbedarfe gemäß dem Konzept des LOIN (Level of Information Need) – also die notwendigen geometrischen und alphanumerischen Informationen – zu erproben und die Farbkonzeption für die Darstellung der unterschiedlichen Datenquellen zu erarbeiten.
Visualisierung und Kommunikation
Zur besseren Kommunikation und Nachvollziehbarkeit wurde ein Animationsfilm erstellt, der auf dem Digitalen Zwilling basiert. Der Film simuliert die Fahrten zweier Güterschiffe und eines Personenschiffs und setzt diese in den Kontext der bestehenden Gewässergrundmorphologie und der Lichtraumprofile. Diese Visualisierung ist nicht nur für die Planungsbeteiligten von großer Bedeutung, sondern auch für die Projektkommunikation mit der Öffentlichkeit und anderen Stakeholdern.
Fazit
Die Integration der BIM-Methode in den Verkehrswasserbau stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, datengetriebenen Planung und Ausführung von Infrastrukturprojekten dar. Das Projekt der Schleuse Berlin-Neukölln läuft seit 2020 mit geplantem Baubeginn im Jahr 2027 und zeigt eindrucksvoll, dass auch in einem so speziellen Bereich wie dem Wasserbau Digitalisierung und innovative Technologien erfolgreich eingesetzt werden können.



