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Interview mit dem Beirat von BIM Deutschland
Felix Scholz

Newsletter Ausgabe 08/2026

Der Beirat berät das Kompetenzzentrum BIM Deutschland bei fachlichen Fragestellungen und fungiert als Schnittstelle zwischen Baupraxis und Politik. Im Beirat sind alle relevanten Rollen der Wertschöpfungskette Bau vertreten. Durch die weitreichende und exzellente Praxiserfahrung seiner Mitglieder unterstützt der Beirat die Implementierung der Digitalisierung im Bauwesen und ist ein wichtiger Impulsgeber.

Weitere Informationen zum Beirat und seinen Mitgliedern finden Sie hier.

 

Steckbrief

Name: Felix Scholz

Position: Leitender Baudirektor Geschäftsbereich Ingenieurdienstleistungen & Consulting bei der Hamburg Port Authority (HPA)

Rolle im Beirat: Digitalisierung aller Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse mit BIM

Beiratsmitglied seit: 2023

  • Um zu erfahren, wie Theorie und Praxis erfolgreich zusammengeführt werden können, haben wir mit Herrn Felix Scholz gesprochen. Zusätzlich zu seiner Rolle als Leitender Baudirektor steuert er als Programmleiter von BIM.Hamburg die behördenübergreifende BIM-Standardisierung der Freien und Hansestadt Hamburg. Als Mitglied des Beirats von BIM Deutschland bringt er seine umfassende Erfahrung bei der Digitalisierung aller Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse mit BIM für langlebige Infrastrukturen ein. BIM gilt als Schlüssel für einen effizienteren Bauwerksbetrieb. In der Praxis ist der Übergang von der Planungs- in die Betriebsphase jedoch häufig noch mit Reibungsverlusten verbunden, sodass das digitale Modell sein volles Potenzial nicht durchgängig entfalten kann. Welche Weichenstellungen sind Ihrer Erfahrung nach entscheidend, damit die Datenübergabe von einem Konzept zu einer messbaren Unterstützung für den Betrieb reift?

    BIM gilt zu Recht als wichtiger Baustein für einen effizienteren Bauwerksbetrieb. Mit dem Anwendungsfall 200 „Datenaufbereitung für den Betrieb“ und den Objektkatalogen sind die methodischen Grundlagen bereits vorhanden, um betriebsrelevante Informationen strukturiert aus Planung und Bau in den Betrieb zu überführen. Die eigentliche Herausforderung besteht heute darin, diese Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks nutzbar und aktuell zu halten.

    Aus unserer Erfahrung sind dafür drei Weichenstellungen entscheidend: Erstens müssen die Anforderungen des Betriebs bereits zu Projektbeginn definiert und in den Informationsanforderungen verankert werden. Zweitens muss die Datenübergabe konsequent auf die Bedürfnisse des späteren Betriebs ausgerichtet sein – nicht die Datenmenge ist entscheidend, sondern deren Qualität, Struktur und Nutzbarkeit.

    Die dritte und aus meiner Sicht wichtigste Weichenstellung ist die Weiterentwicklung des BIM-Modells zu einem „lebenden“ Digitalen Zwilling. Der eigentliche Mehrwert entsteht erst, wenn die Informationen im Betrieb kontinuierlich fortgeschrieben und mit Bauwerksprüfungs-, Monitoring- und Sensordaten verknüpft werden. So entsteht ein aktuelles digitales Abbild des Bauwerks, das den tatsächlichen Zustand widerspiegelt und fundierte, vorausschauende Entscheidungen ermöglicht.

     

  • Mit dem Programm BIM.Hamburg koordinieren Sie die Implementierung der BIM-Methode über verschiedene Behörden und städtische Unternehmen hinweg. Ein solcher Prozess lebt oft von den Menschen, die ihn tragen. Wie gelingt es Ihnen im Alltag, die verschiedenen Teams und Akteure für gemeinsame, einheitliche Standards zu begeistern und eine kollaborative Kultur zu schaffen, in der alle Beteiligten an einem Strang ziehen?

    Bei der Implementierung von BIM und dem Digitalen Zwilling ist der entscheidende Erfolgsfaktor nicht die Technologie, sondern der Mensch. Die beste Methodik und die leistungsfähigsten Softwarelösungen entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn die Menschen dahinter von der Idee überzeugt sind und den Wandel aktiv mitgestalten.

    Deshalb haben wir in BIM.Hamburg von Beginn an großen Wert daraufgelegt, nicht nur eine behördenübergreifende Organisationsstruktur aufzubauen, sondern ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Vision zu schaffen. Heute arbeiten Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen städtischen Unternehmen eng in Projekten zusammen und verstehen sich als Teil der gemeinsamen Initiative BIM.Hamburg. Dieses starke Wir-Gefühl sorgt dafür, dass BIM und der Digitale Zwilling nicht als zusätzliche Anforderung wahrgenommen werden, sondern als Chance, unsere Prozesse nachhaltiger, effizienter und transparenter zu gestalten.

    Für mich ist dabei besonders wichtig, die BIM-Standardisierungsprojekte behördenübergreifend zu koordinieren, gemeinsame Ziele sichtbar zu machen, Erfolge zu teilen und die Vorteile der Methode für die jeweiligen Organisationen konkret erlebbar werden zu lassen. Menschen lassen sich nicht durch Vorgaben begeistern, sondern indem sie erkennen, welchen Mehrwert eine neue Arbeitsweise für ihren eigenen Alltag schafft.

    Gleichzeitig setzen wir auf gezielte Qualifizierung und Vernetzung. Gemeinsam mit den beteiligten Organisationen organisieren wir den Hamburger BIM-Tag (dieses Jahr am 01.10.2026), veröffentlichen unsere Standards und Innovationen über den BIM.Hamburg-Newsletter (www.bim.hamburg.de) und tauschen uns über Multiplikatoren-Netzwerke des BIM HUB Hamburg mit der Bau- und Consultingwirtschaft aus. So schaffen wir Wissenstransfer und sorgen dafür, dass BIM-Kompetenz in den einzelnen Organisationen verankert wird.
    Letztlich entsteht die kollaborative Kultur in BIM.Hamburg durch Vertrauen, Beteiligung und gemeinsame Überzeugungen – und damit die Bereitschaft, über Organisationsgrenzen hinweg an einem Strang zu ziehen.

     

  • In Hamburg werden Digitale Zwillinge mit Echtzeit-Sensordaten für die vorausschauende Wartung von Brücken bereits erprobt. Wie lässt sich aus Ihrer Sicht dieser Praxisvorsprung bei intelligenten, mitwachsenden Zwillingen nutzen, um solche Konzepte branchenweit als Standardverfahren für die zukünftigen Infrastrukturprojekte zu etablieren?

    Die entscheidende Herausforderung auf dem Weg zu flächendeckend einsetzbaren Digitalen Zwillingen ist die Skalierbarkeit. Bislang wurden vor allem einzelne Pilotprojekte umgesetzt, bei denen für jedes Bauwerk ein erheblicher Initialisierungs- und Integrationsaufwand erforderlich war. Um Digitale Zwillinge als Standardverfahren in Infrastrukturprojekten zu etablieren, müssen wir diesen Aufwand deutlich reduzieren und die Erstellung sowie den Betrieb weitgehend standardisieren.

    Wir entwickeln deshalb im Testfeld Digitaler Zwilling Haupthafenroute in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr eine Softwarelösung, mit der sich Digitale Zwillinge von Brücken, Straßenabschnitten und Kaimauern mit minimalem Aufwand aufbauen lassen. Dabei nutzen wir IFC-Modelle als Ausgangsbasis, strukturieren die enthaltenen Informationen entsprechend den Anforderungen des Betriebs und schaffen standardisierte Anbindungen an Monitoring-Plattformen sowie Bauwerksprüfungs- und Asset-Management-Systeme.

    Auf diese Weise schaffen wir die Grundlage für Skalierbarkeit. Denn erst wenn Digitale Zwillinge effizient, reproduzierbar und wirtschaftlich erstellt werden können, ist ein flächendeckender Einsatz in der Infrastruktur möglich.

    Unsere Pilotprojekte haben uns dabei in zweierlei Hinsicht geholfen: Zum einen haben wir Methoden entwickelt, um Sensordaten nicht nur zu erfassen, sondern in nutzbare Zustandsinformationen für den Betrieb zu überführen. Zum anderen konnten wir eine herstellerneutrale, standardisierte Schnittstelle für die Integration von Monitoring-Daten entwickeln. Dadurch lassen sich Daten unterschiedlicher Sensor- und Systemanbieter ohne aufwendige Individualanpassungen in den Digitalen Zwilling einbinden.

    Standardisierte Datenmodelle und Schnittstellen sind aus meiner Sicht der Schlüssel für die branchenweite Etablierung intelligenter, mitwachsender Digitaler Zwillinge. Sie reduzieren Integrationsaufwände erheblich, schaffen Interoperabilität und ermöglichen es, die in Pilotprojekten gewonnenen Erkenntnisse effizient auf eine große Anzahl von Infrastrukturbauwerken zu übertragen. So kann aus einzelnen erfolgreichen Anwendungen ein neuer Standard für das Management und die Instandhaltung unserer Infrastruktur entstehen.

 

Wir danken Herrn Felix Scholz für das Gespräch und die fachlichen Einblicke in die behördenübergreifende BIM-Standardisierung sowie den Einsatz Digitaler Zwillinge für langlebige Infrastrukturen.

Die im Interview geäußerten Einschätzungen und Aussagen geben die persönliche fachliche Position des Interviewpartners wieder. Für die Inhalte seiner Antworten ist Herr Felix Scholz verantwortlich.
 

Im Auftrag von:

Logo von  Bundesministerium der Verteidigung Logo von  Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Logo von