Das Großprojekt „Allianz 3 Schulen Bremerhaven“ ist mehr als ein klassischer Schulneubau. Unter erheblichen Zeit- und Kostendruck entstanden innerhalb von rund 3,5 Jahren drei neue Schulen und zwei Sporthallen in Bremerhaven: die Neue Oberschule Lehe (NOL), die Neue Grundschule Lehe (NGL) und das Schulzentrum Hamburger Straße (SHS) in Geestemünde. Diese Neubauten ersetzen veraltete oder provisorische Bestandsgebäude und schaffen dringend benötigte, moderne Lernräume.

Allianz 3 Schulen Bremerhaven: Digitalisierung, BIM und moderne Bauorganisation
BIM in Ländern und Kommunen

Zentraler Baustein des Projekts ist eine konsequente Digitalisierung von Planung, Bau und Betrieb, kombiniert mit einer Integrierten Projektallianz (IPA). Damit setzt Bremerhaven Maßstäbe für den öffentlichen Hochbau in Deutschland, insbesondere im Zusammenspiel von Building Information Modeling (BIM) und kooperativen Organisationsformen über alle Projektphasen hinweg.
BIM als zentrales Arbeits- und Steuerungsinstrument
BIM wird im Projekt nicht als reine Planungsmethode verstanden, sondern als zentrales Daten- und Kooperationsinstrument. Alle relevanten Informationen zum Bauwerk werden geometrisch, funktional und inhaltlich in einem gemeinsamen digitalen Modell gebündelt. Dieses Modell bildet die Grundlage für Transparenz, Abstimmung und Steuerung in einem hochkomplexen Bauprozess.
Die Projektorganisation ist bewusst integrativ angelegt. Bauherrenseite, Projektsteuerung sowie Planungs- und Ausführungsbeteiligte arbeiten gemeinsam in einer Allianz mit flachen Hierarchien und einem gemeinsamen Zielverständnis. BIM stellt dabei sicher, dass die Zusammenarbeit auf einer konsistenten und verlässlichen Datenbasis erfolgt.
Was BIM konkret leistet
Gemeinsame Plattform und Datenintegration
Alle Projektinformationen werden in einer Common Data Environment (CDE) bereitgestellt. Offene Standards wie IFC (Industry Foundation Classes)und BCF (BIM Collaboration Format) ermöglichen disziplinübergreifende Zusammenarbeit. Das schafft:
- ein einheitliches Modell- und Planungsverständnis
- klare Versionierung und nachvollziehbare Freigaben
- zentrales Issue- und Konfliktmanagement
Über 20 BIM-Use-Cases im Einsatz
Aus ursprünglich sechs definierten Pflichtanwendungsfällen entwickelte das Projekt über 20 BIM-Use-Cases, darunter:
- modellbasierte Plangenerierung und Kollisionsprüfung
- automatisierte Mengenermittlung
- VR-Begehungen und digitale Freigaben
- modellbasiertes Aufgaben- und Issue-Management
- BIM-2-Field-Workflows für die Baustelle
- Übergabe an das Facility Management (BIM-2-FM)
Damit werden Planung, Bauausführung und spätere Nutzung eng miteinander verknüpft.
Digitale Qualitätskontrolle
Bereits im Rohbau werden 3D-Scans erstellt und als Punktwolken mit dem BIM-Modell abgeglichen. Abweichungen lassen sich frühzeitig erkennen und korrigieren. Ergänzend dokumentieren 360°-Aufnahmen den Baufortschritt und machen den Ist-Zustand jederzeit nachvollziehbar.
Plattformintegration und moderne Werkzeuge
Alle Beteiligten arbeiten mit demselben Digitalen Zwilling. Funktionen wie Modellvergleich, parallele Ansichten und Künstlicher Intelligenz (KI)-gestützte Auswertungen vereinfachen Koordination, Kommunikation und Fortschrittskontrolle erheblich.
Wirkung über die Bauphase hinaus
Die Digitalisierung führte zu einer deutlich engeren und transparenteren Zusammenarbeit. Entscheidungen werden nicht isoliert, sondern auf Basis des gemeinsamen Modells getroffen. Das spart Zeit, reduziert Fehler und schafft eine Datenbasis, die über die Bauphase hinaus nutzbar bleibt.
Ein konkretes Beispiel ist die modellbasierte Mengenermittlung, die früh belastbare Aussagen zu Kosten und Materialbedarf ermöglicht. Ebenso sorgen Punktwolkenabgleiche und digitale Checklisten für eine verlässliche Ausführung, bevor kostenintensive Nacharbeiten entstehen.
Nach Fertigstellung werden die Modelldaten an das Facility Management übergeben und in ein CAFM-System (Computer-aided Facility Management) integriert. Das digitale Modell unterstützt damit Betrieb, Wartung und Monitoring und wird zum echten Lebenszyklusinstrument.
Die ersten beiden Schulen wurden zum Schuljahr 2025 eröffnet, die dritte folgte im Oktober 2025. Das Projekt wurde zudem durch buildingSMART mit dem BIM Champions Award 2025 in der Kategorie Betrieb/Unterhalt ausgezeichnet.


