Die Modernisierung der Schleuse Lüneburg setzt neue Maßstäbe für die digitale Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten im Wasserbau. Durch den Einsatz von BIM wird der Bauprozess optimiert, die Ressourcennutzung verbessert und die Schleuse für die Anforderungen der modernen Binnenschifffahrt fit gemacht.
Der Elbe-Seitenkanal (ESK) ist eine der zentralen Wasserstraßen für den Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens und stellt eine wichtige Achse für den Warentransport dar. Mit dem geplanten Neubau der Schleuse Lüneburg wird der Kanal für zukünftige Anforderungen der Binnenschifffahrt weiterentwickelt. Durch den Einsatz von BIM wird der gesamte Prozess von der Planung bis zur Betriebsführung digitalisiert, um Effizienz, Kostenkontrolle und langfristige Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
Digitale Planung für komplexe Infrastruktur
Die geplante neue Schleuse wird mit einer Kammerlänge von 225 Meter und einer Breite von 12,5 Meter eine deutlich höhere Kapazität bieten als das bestehende Schiffshebewerk. Die Schleuse wird in der Lage sein, zwei Schubverbände gleichzeitig zu schleusen, was besonders die Wartezeiten während Stoßzeiten erheblich verkürzt. Dies stellt sicher, dass der ESK auch in Zukunft die steigenden Anforderungen der modernen Binnenschifffahrt erfüllen kann.
Der gesamte Lebenszyklus der Schleuse wird mit BIM abgebildet – von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb und der Wartung. Durch die modellbasierte Planung werden alle relevanten Daten aus den verschiedenen Fachbereichen zusammengeführt. So werden Planungsfehler frühzeitig identifiziert und korrigiert, bevor sie kostspielige Auswirkungen haben.
Optimierte Bauabläufe durch BIM
Die präzise digitale Planung ermöglicht eine detaillierte Koordination der Bauprozesse. Dies ist besonders wichtig für den Neubau der Schleuse, da die Arbeiten in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Schiffshebewerk stattfinden. Der Einsatz von BIM hilft, die Baustellenlogistik zu optimieren und zu koordinieren, mögliche Konflikte zwischen den verschiedenen Gewerken frühzeitig zu erkennen und den Materialeinsatz effizient zu steuern.
Ein weiterer Vorteil von BIM bei der Modernisierung der Schleuse ist die Integration von Logistikdaten und die modellgestützte Simulation von Bauabläufen. Das 4D-Modell unterstützt bei der visuellen Simulation von Bauabläufen, sodass zeitliche Abhängigkeiten, mögliche Kollisionen und logistische Engpässe frühzeitig erkannt und entsprechend angepasst werden können. Durch den detaillierteren Entwurfsprozess und die genaue Berechnung der einzelnen Bauabschnitte wird es möglich, die Kosten transparenter zu kalkulieren und Risiken frühzeitig zu minimieren.
Nachhaltigkeit durch BIM-gestützte Prozesse
Das BIM-Modell unterstützt eine zielgerichtete und ressourcenschonende Projektumsetzung. Die präzise Modellierung reduziert Materialverschnitt und Bauabfälle. Zudem werden durch die digitale Planung die ökologischen Auswirkungen des Baus minimiert. Auch ohne direkten Bezug zur BIM-Methode stellt der Neubau der Schleuse einen wichtigen Schritt zur Erhöhung der Kapazitäten im Elbe-Seitenkanal dar und trägt gleichzeitig zur Entlastung des Straßenverkehrs bei. Langfristig führt dies zu einer Verringerung der CO₂-Emissionen im Vergleich zum Gütertransport auf der Straße.
Die Fertigstellung des Neubaus ist für die zweite Hälfte der 2020er Jahre geplant.
Mehr Infos zum Projekt und den aktuellen Planungsstand sind auf der Webseite des Wasserstraßen-Neubauamts Hannover zu finden.