Welche Rolle kann BIM in der Gebäudewirtschaft und dem Facility Management einnehmen? Diese Frage wird bei der Stadt Köln umfassend beantwortet – hier wurden bereits 2014 die ersten Grundsteine für die Einführung von BIM gelegt. Erfahren Sie, welche Rolle BIM in der Stadt Köln insbesondere für Neubauten spielt, was BIM zur Erreichung der Klimaneutralität beiträgt und wie die geschäftsführende Betriebsleitung der Gebäudewirtschaft Köln, Petra Rinnenburger, auf die Rolle von BIM blickt.
Die Gebäudewirtschaft Köln begann ihre BIM-Reise bereits 2014: Damals erfolgte der Beschluss, BIM in der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln zu implementieren. Seitdem ist viel passiert. 2017 wurde eine abteilungsübergreifende BIM-Projektgruppe gegründet, die gemeinsam mit externen BIM-Expertinnen und -Experten ein Strategiepapier zur Einführung und Nutzung von BIM in der Stadt Köln erarbeitete. Dieses bot die Grundlage für das erste Pilotprojekt und die Erstellung der ersten Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA).
Vom Planungswerkzeug zum Betriebsmotor
Zunächst wurde BIM vor allem zur Planung eingesetzt. So konnten Projekte wie die Erweiterung der Königin-Luise-Schule, das später auch einen Preis als BIM-Champion erhielt, bereits 2018 mit BIM geplant werden.
Im Zeitraum von 2019-2020 wurde die BIM-Strategie weiter ausgebaut. Nach und nach wurden Mitarbeitende der Gebäudewirtschaft zu BIM-Fachingenieurinnen und -Fachingenieuren ausgebildet, ein agiles BIM-Team entstand und weitere BIM-Projekte konnten angestoßen werden. Der Schwerpunkt von BIM verlagerte sich im Prozess dieser Entwicklungen immer mehr weg von der Planung hin zum Betrieb.
Mittlerweile zieht die Stadt Köln vor allem im Bereich Neubau große Vorteile aus der BIM-Methode, wie Petra Rinnenburger, geschäftsführende Betriebsleitung der Gebäudewirtschaft Köln, in einem Austausch mit BIM Deutschland erklärt: „Wir profitieren im Bereich Neubau, da wo mit BIM geplant wurde, auf jeden Fall – und dort vor allem nach Fertigstellung des Gebäudes im laufenden Betrieb. Im Bestand, wo wir bereits Daten generieren konnten, hilft uns BIM ebenfalls bei der Erfüllung unserer Betreiberverantwortung schneller und effizienter zu werden. Der Mehrwert für uns als Immobilienbesitzerin und -betreiberin ist im Betrieb deutlich höher als in der Planung.“
Materialien im Blick: Wie ein digitaler Ressourcenpass entsteht
Ihre Vorreiterrolle baute die Stadt Köln 2023 mit einem weiteren BIM-Pilotprojekt aus: dem BIM-basierten Gebäuderessourcenpass. Petra Rinnenburger ordnet im Interview mit BIM Deutschland den aktuellen Stand des Projektes ein: „Wir haben in einem ersten Pilotprojekt Erkenntnisse über den Prozess der Erstellung eines Gebäuderessourcenpasses mit der BIM-Methode sowie über eine standardisierte Einführung gesammelt. Wir wissen nun, welche Daten für die Erstellung solcher Gebäudepässe benötigt werden, wo relevante Schnittstellen sind und wo wir noch Optimierungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit sehen.
Wir haben allerdings auch Schwachstellen in den aktuellen Berechnungsmodellen gefunden, die eindeutige Aussagen noch nicht anbieten. Unsere BIM-Standards (Attribuierungsliste, Modellierungsrichtlinie, Musterverträge) für zukünftige Beauftragungen haben wir, so weit möglich, angepasst […]. Künftig könnte uns der Gebäuderessourcenpass zudem leicht ablesbare Kenndaten zu CO2-Emissionen, Abfallaufkommen und Recyclingpotenzial der verbauten Materialien liefern.“
Klimaneutralität mitdenken – von Anfang bis Rückbau
Die Rolle von BIM bei der Gebäudewirtschaft Köln wächst immer weiter. „Ziel ist es, das BIM-Modell über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu nutzen – insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen wie Urban Mining, CO2-Bilanz und Kreislauffähigkeit der verbauten Produkte“, betont Petra Rinnenburger. Besonders mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität 2035 verdeutlicht sie die Signifikanz der BIM-Methode im Gebäudesektor: „Es liegt an uns, die Nachverfolgbarkeit der Baustoffe des Gebauten zu ermöglichen – und Rückbaubarkeit sowie Entsorgung mitzudenken. Das heißt, wir müssten mehr Gebäudeinformationen gewinnen und erhalten. Das wird uns nur im engen Schulterschluss zwischen digitalem Planen, analogem Bauen und digitalem Betreiben gelingen. Zwischen allen Partnern im gesamten Lebenszyklus: BIM könnte uns mit den entsprechenden Datensätzen Aussagen über eine CO2-Bilanz und über Leerstandsquoten zur Erarbeitung skalierbarer Effekte für serielle Umbauten ermöglichen, um nur zwei Beispiele zu nennen.“
Was es für den nächsten Schritt braucht: Einheitliche Standards
Um die Verfolgung dieser Ziele zu ermöglichen und BIM weiter in der öffentlichen Hand zu implementieren, ist eine fortlaufende Standardisierung und Normierung der Prozesse rund um BIM notwendig. „Eine bundesweite Instanz wie BIM Deutschland kann entscheidende Parameter vorgeben, die Planungen der öffentlichen Hand zugrunde liegen. Daraus können sich Standards für ganz Deutschland entwickeln.“, so Rinnenburger.
Vielen Dank an Petra Rinnenburger für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke in die BIM-Erfahrungen der Stadt Köln.
Aktuelle Informationen zur Entwicklung von BIM in der Stadt Köln finden Sie auf der Website der Stadt Köln.