Flughäfen zählen zu den komplexesten Infrastrukturen – und zu den anspruchsvollsten Bauprojekten. Der Einsatz von BIM zeigt hier sein volles Potenzial. In diesem Beitrag werden nationale und internationale Best-Practice-Beispiele vorgestellt.
Die Planung eines Flughafens bei laufendem Betrieb erfordert den Umgang mit außergewöhnlich hoher Komplexität. Die Anforderungen sind enorm: Tausende Schnittstellen zwischen Hochbau, Tiefbau, technischer Gebäudeausrüstung, IT, Sicherheitsarchitektur sowie die Anbindung an externe Verkehrsinfrastruktur müssen nahtlos ineinandergreifen. Hinzu kommen strenge Anforderungen an Betriebsunterbrechungen, internationale Normen, variable Passagierströme und hohe Erwartungen an Energieeffizienz.
BIM bietet hier Struktur, macht komplexe Zusammenhänge sichtbar, verbessert die Kommunikation zwischen den Beteiligten und ermöglicht eine belastbare Steuerung über den gesamten Lebenszyklus – von der Planung bis zum Rückbau.
BIM etabliert sich in diesem Kontext zunehmend als Schlüsselmethodik. Durch die modellbasierte und vernetzte Planung werden komplexe Zusammenhänge nicht nur sichtbar, sondern auch steuerbar. Das verbessert die Abstimmung zwischen allen Beteiligten, reduziert Planungsfehler und ermöglicht eine vorausschauende Koordination über alle Leistungsphasen hinweg.
London Heathrow Terminal 5: Vorreiter für digitale Kollaboration im Flughafenbau
Mit seiner Eröffnung im Jahr 2008 gehört Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow bis heute zu den wegweisenden Großprojekten im internationalen Flughafenbau. Schon in der Planungsphase war klar, dass die gewaltige Komplexität dieses Vorhabens – mit über 350.000 Quadratmetern Fläche, zahlreichen Verkehrs- und Logistikanbindungen sowie höchsten Sicherheitsstandards – nur durch einen grundlegend neuen Planungsansatz beherrschbar sein würde.
Im Zentrum stand ein vollständig digitales Modell, das allen Projektbeteiligten als gemeinsame Arbeitsgrundlage diente. Die Arbeit am digitalen Modell innerhalb einer sogenannten Common Data Environment ermöglichte es allen Beteiligten, sämtliche Planungs- und Ausführungsdaten zentral zu bündeln, in Echtzeit zu aktualisieren und zugänglich zu machen. Die Zusammenarbeit zwischen Architektur, Technik, Bau und Betrieb wurde dadurch deutlich effizienter. Frühzeitig konnten Konflikte erkannt, Änderungen nachvollziehbar dokumentiert und Abläufe aufeinander abgestimmt werden.
Besonders innovativ war die Nutzung von 3D- und 4D-Modellen, die nicht nur die bauliche Geometrie (3D), sondern auch zeitliche Abläufe (4D) abbildeten. So konnten Bauphasen simuliert, Logistikprozesse geplant und Risiken proaktiv minimiert werden – lange bevor auf der Baustelle überhaupt gearbeitet wurde. Der koordinierte Einsatz dieser Methodik ermöglichte es, das Projekt weitgehend im Zeit- und Budgetrahmen zu realisieren, trotz der enormen baulichen und betrieblichen Herausforderungen.
Auch in Sachen Nachhaltigkeit setzte das Projekt Maßstäbe. Energieverbrauch, Materialeinsatz und spätere Betriebskosten wurden frühzeitig mitgedacht und in den Planungsmodellen berücksichtigt. Damit zeigte Terminal 5 nicht nur, wie digitale Methoden technische Komplexität beherrschbar machen, sondern auch, wie sie einen Beitrag zu effizienterem, ressourcenschonenderem Bauen leisten können.
Terminal 5 gilt bis heute als Meilenstein im digitalen Bauen. Es war eines der ersten Großprojekte, das die Möglichkeiten digitaler Planung über alle Phasen hinweg ausgeschöpft hat – von der Entwurfsplanung bis zur Inbetriebnahme. Viele der dort entwickelten Standards und Methoden haben später Eingang in internationale Richtlinien gefunden. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie konsequente Digitalisierung Qualität, Termintreue und Nachhaltigkeit in Einklang bringen kann – und warum BIM in Zukunft nicht nur Werkzeug, sondern Fundament jeder modernen Infrastrukturplanung sein sollte.
Terminal 2 am Berlin Brandenburg BER: Digitale Prozesse für mehr Effizienz
Auch in Deutschland entstehen positive Beispiele: Beim Bau des Terminal 2 am Flughafen Berlin Brandenburg wurde konsequent auf digitale Planungsprozesse gesetzt. Während das Terminal 1 des Flughafens BER noch ohne durchgängige BIM-Methodik geplant wurde, kam diese beim Bau des Terminal 2 gezielt zum Einsatz.
Der Unterschied dabei ist deutlich:
Terminal 1, in den 2000er-Jahren konventionell geplant, war geprägt von Planungsänderungen während der Bauausführung, unklaren Zuständigkeiten und massiven Koordinationsproblemen. Die größte Herausforderung lag hierbei beim Brandschutz. Die Komplexität ergab sich durch Planungsfehler, technische Sonderlösungen und die fehlende Gesamtkoordination. All das führte zu jahrelangen Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten.
Terminal 2 hingegen wurde ab 2018 als schlankes Low-Cost-Abfertigungsgebäude mit integrierter BIM-Planung realisiert. Im gesamten Prozess griff man auf das zentrale Steuerelement, das BIM-Modell, zurück. In nur 38 Monaten gelang die Fertigstellung im geplanten Kostenrahmen von rund 200 Millionen Euro. Die digitale Koordination aller Fachdisziplinen trug entscheidend dazu bei, Planungsfehler zu vermeiden und den Ablauf durch koordinierte Vorgänge zu beschleunigen.
Der Vergleich zeigt: Auch wenn T2 kleiner und weniger komplex ist, belegt das Projekt, dass sich mit der BIM-Methode Planungsqualität sowie Termin- und Kostensicherheit deutlich steigern lassen.
Digitale Planung wird zur Voraussetzung
Die vorgestellten Beispiele zeigen klar: Der Einsatz digitaler Methoden wie BIM ermöglicht mehr als nur eine moderne Darstellung von Gebäuden. Es geht um Steuerbarkeit, Transparenz und Resilienz – gerade bei hochkomplexen Infrastrukturen wie Flughäfen. Digitale Modelle verbessern die Kommunikation im Planungsteam, erleichtern die Koordination in der Ausführung und helfen dabei, langfristig Betriebskosten und Umweltwirkungen zu reduzieren.
In einem Sektor, in dem jede Verzögerung teuer ist und jeder Fehler schwer wiegt, wird BIM damit zur Voraussetzung für zukunftsfähige Projekte.